Knut Dahl

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April 02, 05:27 PM

foto: sxc.hu

Das Tanzverbot am Karfreitag geht in diesem Jahr in die zweite Runde. Der Ton ist lauter geworden, die Fronten verhärtet. Keine besonders zuträgliche Situation. Für den letztjährigen Flashmob in Frankfurt hatte ich große Sympathie. Für ein diesjähriges geplantes Gesprächsangebot einer Podiumsdiskussion mit Kirchenvertretern am Gründonnerstag um 18.00 Uhr nicht.
Über eine Unkenntnis in kirchlicher Feiertagskunde könnte hinweggesehen werden, nicht aber über Agitation, die eine Absage provozieren will, um daraus erneute Bestätigung angeblich kirchlicher Ignoranz zu gewinnen.
Denn letztlich geht es gar nicht um ein Tanzverbot an sogenannten “stillen” Feiertagen. Es geht um eine striktere Trennung von Staat und Kirche.
Diese am Tanzverbot aufhängen zu wollen finde ich nur mäßig geschickt, zumal es im Nachsatz immer darum geht alle christlichen Feiertage als gesetzliche Feiertage abzuschaffen.
Aber gerade weil es darum geht, lässt sich die Diskussion mit so einer Ordnungsamtsvorschrift emotional gut befeuern.

Auf der Strecke bleiben dagegen die Überlegungen, wie sich eine postchristlich zu definierend beginnende Gesellschaft ihren Umgang mit der traditionell gewachsenen Beziehung zwischen Staat und Kirche vorstellen kann und wie willens sie ist, sich auf einen gestalterischen Prozess einzulassen.
Das überwiegende Credo einer netzaffinen Öffentlichkeit lautet schlicht: “Religion überwinden!”
Damit ist natürlich keine Kirche zu machen.
Allerdings auch kein Staat! Und so wäre es bedeutend sinnvoller sich nicht mit einzelnen Ordnungsämtern zu befassen, sondern nach gangbaren Wegen zu suchen.
Nach dem sonst immer vorbildlichen Skandinavien zu schielen bringt nicht weiter, da wir mit der “hinkenden Trennung” von Staat und Kirche immerhin eine Trennung haben, die die Staatskirche gerade nicht hat. Und US-amerikanische Verhältnisse zu preisen mag eigentlich nur für Fans der Megachurch-Industrie in Frage kommen.

Leider wird die Rolle der Religion in einer Gesellschaft oft unterbewertet, was folglich auch zu einem lässigen Umgang mit kirchlichen Fragestellungen führt.
Das hat allerdings auch einen Vorteil: Die gesellschaftliche Mehrheit, die für eine Abschaffung von (langen) Wochenenden und Brückentagen ist, muss erst einmal gefunden werden.

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March 31, 07:09 PM

Ich habe es nötig, es würde mir gut tun, ihnen vielleicht auch.
Ja, ich meine es wäre gut für alle, wenn sie kommen würden.

Sie die guten Nachrichten.

Seit einigen Jahren gibt es Nachrichtenkanäle, die sich darauf spezialisiert haben nur gute Nachrichten zu senden.

Eine Stunde täglich nur gute Nachrichten!
Nur gute Nachrichten am laufenden Band. Das täte gut, das wäre ein notwendiges Gegengewicht gegen alles, was an schlechten Meldungen über die Sender und durch die Zeitungen rauscht. Aber, was sind eigentlich gute Nachrichten?

Ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet mit Niederschlag ist dem Landwirt evtl. willkommen, dem Badeurlauber dagegen wohl weniger. Ist das nun gutes oder schlechtes Wetter?

Eine ausgleichende ausgesprochen gute Nachricht wäre auch im Blick auf den Predigttext wünschenswert.
Denn dort spricht jemand, dem es so geht, wie tausend anderen auch. Dem Sprecher geht es ausgesprochen schlecht: Er wird geschlagen, auf den Rucken und die Wangen, und er wird bespuckt.

Hier redet ein gefolterter, ein von Menschen mißhandelter; einer,
dessen Menschenrecht mit Füßen getreten wird.
Wer ist dieses “Ich”, wer der Mensch, der hier spricht?

Im Text wird einiges mehr über ihn laut, als das er gefoltert wird und leidet. Im Text spricht das “Ich”, dieser jemand, über sich; da ist jemand, der über sich spricht, über sich und über seine Beziehung zu Gott, zu JHWH, wie er sagt.

Jahwe und der Sprecher stehen in einem engen Verhältnis: Das “Ich” des Textes versteht zu hören: “Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet; Morgen für Morgen weckt er mir das Ohr.”

D.h. es besteht ein regelmäßiger Kontakt zwischen dem Sprecher und Gott. Er hört auf Gott, das aber ist nicht seine Leistung, nicht seine Auszeichnung oder Qualifikation, sondern Gabe Gottes:
Jahwe ist der, der das Hören schenkt.

Mit dem Geschenk des Hörens empfängt die sprechende Person auch die Gabe zu reden. Sie versteht zu hören und sie versteht zu reden, d.h. das richtige Wort zur rechten Zeit zu sagen:

“Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie Junger sie haben.”

Als Jünger also bezeichnet sich der Sprecher hier; als Jünger, der in regelmäßiger, täglicher Kommunikation mit Gott steht.
Dieser Jünger Gottes, der es versteht zu hören und zu reden, empfängt damit einen Auftrag:

Seine Aufgabe ist es mit den Müden zu reden, den Niedergeschlagenen aufrüttelnde Worte zu sagen. Das klingt zunächst wenig konkret, ist es allerdings gar nicht; vielmehr geht es um etwas ganz handfestes:

Der Sprecher, wie ich ihn nannte, der Junger, wie er sich selber nennt, hat ganz bestimmte müde Menschen vor Augen.

Diese müden Menschen sind die resignierten Israeliten im Exil. Sie sitzen dort im fremden Babylon und blasen Trübsal.

Alle ihre Hoffnungen und Erwartungen sind zunichte gemacht: sie haben kein Land mehr, im Tempel spielt sich nichts mehr ab kein Gottesdienst, keine Opfer und das Königtum, dem Gott einen immerwährenden Bestand zugesagt hatte, existiert auch nicht mehr.

Kurzum: Den Israeliten ist zum heulen zumute.

In diese Situation hinein redet der Jünger seine zuvor von Gott vernommene Botschaft: Israel soll wieder zurück ins Land, Gott selbst geht voran, ebnet den Weg; alle Täler sollen erhöht, alle Hügel erniedrigt werden; kein Stein soll im Weg liegen, wenn Gott mit Israel zurück ins Land zieht.

Soweit die Botschaft des Jüngers; zweifellos eine gute Nachricht zumindest für Israel.

Der Nachteil dieser Botschaft war, da sie vollkommen unrealistisch war. Den Hörern dieser Botschaft mute es vollkommen unbegründet und an den Haaren herbeigezogen erscheinen, was hier laut wurde; bloße Spinnerei, nur Hirngespinste, geradezu töricht und ärgerlich.

Ist es daher nicht verständlich, wie die Hörer reagierten?
Sie die müden und resignierten, sie, die durch die guten Nachrichten aufgerüttelt, getröstet werden sollten; sie schlagen zu, raufen, spotten und bespucken den, der trösten soll.

Der, der Gottes Trost zusagt wird verspottet und misshandelt.
Die Trostbotschaft bringt den Trostspendenden in arge Bedrängnis, bringt schweres Leiden mit sich.

Das Erstaunliche ist nun, dass der Jünger dieses Leid bereitwillig auf sich nimmt; er zerbricht nicht an seinem Geschick; er läßt es sich zumuten: ja er benimmt selbst die Rolle des aktiven im Leiden, indem er seinen Rucken hinhält und sein Gesicht nicht verbirgt.

Wie das, so frage ich mich? Wie kann das jemand aushalten?
Der Sprecher hat darauf nur die Antwort, dass Gott ihm hilft, Gott ihn nicht untergehen läßt.

Auch das Leid, in das ihn seine Verkündigung führt, hält ihn nicht ab von seinen heilsamen, aufrichtenden, helfenden Worten.
Er erträgt das Leiden, weil es zu seinem Auftrag gehört, in dem er sich mit Gott verbunden weiß.

Wer ist denn nun der Jünger,
wer das “Ich”, das im Text spricht, so hatte ich gefragt und bin die Antwort bisher schuldig gebelieben.

Ich fürchte ich werde sie auch schuldig bleiben
müssen, denn ich kann nicht mit Sicherheit sagen wer hier spricht.

Wahrscheinlich ist es ein Prophet, dessen Name noch nicht einmal bekannt ist!

Ein unbekannter, namenloser, gefolterter Prophet, Mitte des 4.Jhd’s v.Chr. Was haben wir denn mit dem zu schaffen; so könnte man fragen.

Gibt es nicht heute genug namenlos gefolterter, anonym ermordeter? Wozu die Beschäftigung mit gerade diesem?

Für mich ist der unbekannte Prophet wichtig, weil er mir deutlich macht, da Gott sein Werk zum Heil der Welt und an mir, beginnen lässt durch die Verkündigung des Wortes.

Gottes Wort ist ein Wort an mich, wenn ich müde erschöpft und resigniert bin. Es ist ein ermunterndes Wort, eines, dass ich nicht selbst gefunden habe, sondern dass mir mitgeteilt ist.

Es ist ein Wort, dass sagt, dass Gott mir hilft, dass er da ist und mich hält. Auch und gerade dann, wenn ich es nicht merke, wenn Gott selbst mir zweifelhaft ist.

Für mich ist der unbekannt Prophet weiterhin wichtig, weil an ihm deutlich wird, dass Gott sein Wirken mit dem Wirken eines Menschen verbindet.

Ich bleibe nicht außen vor. Gottes Werk wird im Wirken und Geschick eines Menschen weltliche Realität, wird anschaubar, begreifbar.

Allerdings wird es nur verborgen anschaubar, verborgen unter dem Leiden eines Menschen.

Aber zu diesem Menschen und Leiden hat sich Gott bekannt.
Er schafft ihm Recht, er stellt sich auf die Seite des schmachvoll Leidenden.

Das Leiden ist nun aber nicht zufällig; es entsteht gerade durch den Widerstand derer, denen das Heilswerk zugute kommen soll.

Hier möchte ich in Klammern bemerken, dass jüdische und christliche Theologie bei dieser Aussage ganz dicht beieinander und zugleich ganz stark unterschieden sind.

Denn, da Gott sein Wirken mit einem Menschen verbindet, behauptet christliche Theologie ja gerade von dem Wirken und Geschick eines Menschen: dem Juden Jesus von Nazareth.

In ihm und der Realität seines Leidens und Sterbens sehen Christen Gottes Werk mit der Welt in letzter Konsequenz verbunden.

Gott bekennt sich zu dem leidenden Menschen so hatte ich gesagt; er schafft ihm auch Recht, indem er ich auf seine Seite stellt.

Dieses Recht schaffen ist aber nicht nur etwas bloß verbales, nicht nur eine Neuinterpretation der sonst gleichbleibenden Verhältnisse, sondern meint eine Veränderung der Realität.

Meint das Heil, das bei diesem Leidenden nicht die Behebung eines persönlichen Notstandes bedeutet, sondern den Erfolg des Gotteswerkes durch diese Gestalt.

Von daher ist dieses spezielle Leiden dieses einen verschieden von dem, was ich als Leid erfahren kann.

Das Leiden des einen hat Sinn, weil es zum Heil verhilft. Alles andere Leiden ist sinnlos, liegt nicht in Gottes Absicht.

Das Leid des einen hat allerdings ganz gewiß etwas mit dem Leid der Welt zu tun, insofern es auf dessen endgültige Überwindung zielt:

Gott will wahrlich nicht die Hungerkatastrophen, keine Erdbeben und Wirbelsturmopfer.

Gott will nicht das Leid von Arbeits- und Obdachlosigkeit.
Keine Folter und Rechtlosigkeit, keine Krankheit und Schwermut.
Gott will nicht den Tod, sondern die Überwindung des Todes.

D.h. aber zugleich, dass Gott bei denjenigen steht, die solches erleiden. Ihr Leiden läßt ihn nicht kalt, sondern setzt ihm zu, macht ihm zu schaffen.

Gott ist bei denen, die ganz unten sind, ohne Perspektive, ohne Ausweg, ohne Hoffnung.

Dass er dort steht, dass er aber die Ausweglosigkeit nicht will, vielmehr für die, die dort stehen einen Ausweg will, gerade das gibt Hoffnung.
Das zu hören habe ich nötig, denn die, die dort unten sind, sind nicht die anderen, das bin manchmal auch ich selbst.

Das zu hören tut mit gut, weil ich ohne zu wissen, da Gott mir hilft nicht leben könnte Das ist eine gute Nachricht, dass ein anderer für mich eintritt, damit ich lebe.

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February 26, 06:56 AM

Niemand weiß genau, was sich hinter dem Begriff “Netzgemeinde” verbirgt. Und wahrscheinlich ist sogar, dass es sie gar nicht gibt, wie Christian Jakubetz meint. Oft wird darunter schlicht das verstanden, was Mitglieder bei Facebook und Twitter so ungefiltert an Meinung ins Netz pusten.
Daraus wird dann am Abend in der Tagesschau die “Netzgemeinde”. Selbst Mitglieder dieser sogenannten “Gemeinde” erheben den Anspruch gerade keine Gemeinde zu sein. Das liegt m.E. daran, dass der Begriff “Gemeinde” religiös aufgeladen ist. Und die “Netzgemeinde” ist sich vor allem darin einig, dass “die Religion” Antidemokratisch , Antiaufklärerisch und erst recht Antifreiheitlich sei.
Dabei ist das Bild, das hinter diesem Religionsverständnis steht schnell als (Zerr-)Bild von römisch-katholischer Religion zu entlarven. Da fällt eine differenzierte Betrachtung oft schwer, zumal wenn sie in 140 Zeichen stattfinden soll.
Trotz alle dem bin ich der Meinung, dass sich eine Auseinandersetzung durchaus lohnt. Ich meine sogar, dass es sehr von Nöten ist, in den sozialen Netzwerken präsent zu sein. Persönlich mit seinen Interessen und seinem Glauben, öffentlich mit seinem (kirchlichen) Beruf, und erst recht in einer Mischung aus allem, die erst dazu führt, dass Argumente, Überzeugungen und religiöse (Wert-) Urteile in umfassender Weise wahrgenommen werden können. (Christlicher) Glaube vermittelt sich am besten dialogisch, auch wenn die kirchliche Struktur sich (noch) weitgehend kerygmatisch versteht.
Aus diesem Grund, und natürlich weil ich neugierig und internetaffin bin, treibe ich mich gelegentlich auch in der “Netzgemeinde” herum. So auch an einem Sonntagnachmittag im Karneval, an dem diese kleine Unterhaltung über “Religion” und “offene Gesellschaft” stattfand:

Internet Aktivisten. Die neuen religiösen unter den religionslosen. Das macht den @ ganz putzig.
@knuuut
knut dahl
@ Was hat Religionskritik mit "Internetaktivismus" zu tun? Dein Tweet beweist meine Befürchtungen hinsichtlich den Religiösen.
@jensbest
jensbest

@ und die Bewertung der "Religiösen" entspricht nicht der Differenzierungsfähigkeit, die ich sonst in deinen Texten lese.
@knuuut
knut dahl
@ Religiöser Wahn & Arroganz sind eine der Grundübel einer unaufgeklärten Gesellschaft. Das Gute Handeln braucht keine Gottesillusion.
@jensbest
jensbest
@ Wobei ich spirituelle offenherzige Arbeit als persönliche Kraftquelle respektiere und schätze.
@jensbest
jensbest
@ wenn du gegen verpixelte Gebäude bist, und dafür bereit bist in Gefängnis zu gehen, hat das für mich aber schon etwas "religiöses"
@knuuut
knut dahl
@ Nein, das ist die Bereitschaft die Regeln des gemeinsamen öffentlichen Raums nicht der reaktionären Willkür anheimfallen zu lassen.
@jensbest
jensbest
@ Sich für Gerechtigkeit, auch in so komplexen Themen wie öffentlicher Raum, einzusetzen ist nicht religiös, sondern leidenschaftlich.
@jensbest
jensbest
@ das würde eine lange religionsphilosophische Debatte über das Wesen von "Religion"nach sich ziehen....
@knuuut
knut dahl
@ Mein Handeln geschieht nach menschlichen Maßstäben, ist dem Menschen verpflichtet, in Demut vor einem großartigen Universum.
@jensbest
jensbest
@ "Demut" und "Leidenschaft" sind schon sehr religiös aufgeladene Begriffe ;)
@knuuut
knut dahl
. @ Für dich vielleicht. Ich führe Tugend- und Moralgespräche ohne den Impetus eines mich begleitenden höheren Wesens.
@jensbest
jensbest
@ das mit "Gott" gehört in die Dogmatik. Das muss niemand mitmachen, wenn er nicht will.
@knuuut
knut dahl
@ Wenn du das mit dem Großteil der Führungsriege und der Basis der monotheistischen Scharfmacher-Clubs geklärt hast, melde dich wieder
@jensbest
jensbest
. @ Diese Sicht ist ähnlich verengt, wie Politik auf rechtspopulistische Verlautbarungen zu reduzieren.
@knuuut
knut dahl
@ Hamza-Mordmob, evangelikale Mobs in D-Land, intransparenter Vatikan, US-Biblebelt, Willkür im Arbeitsrecht - Baustellen, Baustellen
@jensbest
jensbest
@ gibt es alles! Schlimm genug! Aber im Umkehrschluss alle abstrusen politischen Grüppchen für ein Abbild von Demokratie zu halten?
@knuuut
knut dahl
@ Ich verbitte mir den Vergleich mit demokratischen Strukturen. Kirche ist Machtapparat basierend auf Religion. Zwei Welten.
@jensbest
jensbest
@ der Protestantismus ist sogar in weiten Teilen basisdemokratisch organisiert Synodal/Presbyterial das ist das Gegenmodell zu Macht
@knuuut
knut dahl
@ Ich bin an weiteren Details vermeintlich aufgeklärter Strukturen innerhalb deiner Kirche nicht interessiert. Religion überwinden.
@jensbest
jensbest

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February 21, 03:46 PM

sxc.hu

Wer Roy Black ist, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Bei Ralf Meister wird das schon schwieriger. Allerdings bemüht er sich in letzter Zeit sehr darum bekannter zu werden. Immerhin war Ralf Meister schon öfter im Fernsehen.
Als Sprecher des Wort zum Sonntages dürfte sein Gesicht sich dem einen oder der anderen bekannt vorkommen. Mit seiner bildschirmfüllenden Freundlichkeit gibt er die etwas asketischere Variante von Peter Hahne. Die Stärken beider liegen sicher darin, auch in strengster Unnachgiebigkeit ausgesprochen freundlich rüber zu kommen. Auch dann, wenn die verkündeten “Wahrheiten” schwer zu schluckende Kröten sind.

Ralf Meister forderte vor einigen Wochen die Einführung eines öffentlichen Instrumentes der Buße.
Leider ließ er offen, ob dieses Instrument bei Jauch, Plasberg oder doch eher bei Maischberger anzusiedeln sei. Oder ob er gar nicht an einen TV-Auftritt dachte, sondern sich eher vorstellete, dass ehemalige Ministerpräsidenten in Hannover bestimmte Kirchen (öffentlich) aufsuchen sollten um an sichtbare, öffentliche Buße zu gelangen.

In Hannover nämlich ist Ralf Meister Nachfolger von Margot Käßmann geworden. Und da hat er natürlich ein schweres Erbe anzutreten, wenn es darum geht, die ehemalige Ratsvorsitzende der EKD in ihrer medialen Präsenz zu beerben.

Vermutlich dachte sich Meister deshalb, es sei gut etwas mehr an Volksnähe zu zeigen und so schwärmte er in Syke (bei Bremen) über Roy Black. Also nicht direkt über Roy Black, aber immerhin über die “Theologie der Schönheit”. Und weil das mit der Theologie im Allgemeinen und der Schönheit im Besonderen ausgesprochen schwierig ist, eignet sich Roy Black hervorragend zu einer notwendigen Elementarisierung des Themas. In dem Gassenhauer “Schön ist es auf der Welt zu sein” sei “alles drin” so Meister.

Leider komme ich mit meiner Textsicherheit immer nur bis zu der Zeile “sagt der Igel zu dem Stachelschwein” und ich müsste mich eigentlich aufmachen das Liedchen einer Exegese zu unterziehen. Vielleicht würden mir dann Schuppen von den Augen fallen. Einfacher wäre es natürlich der Redetext selbst und nicht nur die epd-Meldung wäre frei zugänglich.
In der vorliegenden Kürze jedoch finde ich die Meldung aber peinlich. “Schönheit” steht eben gänzlich unter dem Diktat des subjektiven Geschmackurteils; und natürlich der Photoshop-Profis.
Vielleicht wäre es doch ratsam gewesen Anleihen bei denjenigen Theologen zu machen, die sich auf “Ästhetische Theologie” verstehen. Da steckt weit mehr drin, als Roy Black zu formulieren im Stande ist.
Wer mit Roy Black im Fahrstuhl nach oben fahren will, fährt mit ihm sicher auch wieder hinunter.

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February 08, 04:39 AM

Dank Spotlight lässt sich auf dem Mac die gesamte Festplatte schnell durchsuchen. Normalerweise mache ich das selten. Doch jetzt war ich fest davon überzeugt irgendwo müsse es noch eine Predigt von mir zu Jeremia 9,22 geben. Und tatsächlich, war in die Untiefen der alten Atari 1040ST Daten eine Predigt zu finden. Aus dem Jahr 1994.

Auch wenn ich heute nicht mehr so predige (das war das erste Jahr in der Zeit des Vikariats) dachte ich: “Probiers doch mal mit einem alten Hund”. Und: Siehe da, die Rückmeldungen darauf waren so zahlreich, wie schon lange nicht mehr. Vielleicht sollte ich zu meinem “alten Predigtstil” zurückkehren?

sxc.hu


Hier nun die leicht überarbeitete Version (die dicksten alten Hunde sind schon rausgekürzt)

“Sparen, liebe Gottesdienstgemeinde, sparen lautet das Motto der Stunde. Überall muss gespart werden. Öffentlich wie Privat, Staatlicht wie kirchlich.
Auf allen Ebenen, vom Land oder Ministerium bis zum kleinen Betrieb von der Landeskirche bis zur einzelnen Gemeinde. Und das schon seit Jahren.
Etliche Zahlen erhitzen Finanz- und Haushaltsausschüsse, eine Flut von Daten hält Presbyterien in Atem.
Nein, den letzten Satz streichen wir, damit es sich einer der Kandidaten nicht noch schnell anders überlegt, wenn es heute Abend darum geht die Wahl anzunehmen… Eigentlich wollte auch ich mich in die Liste der Sparer einreihen.
Ich dachte: Dieser Spruch Jeremias klingt so rund und selbstverständlich, dass ich ihn nur zur Kenntnis nehmen und bestenfalls noch “Ja” und “Amen” sagen kann. Das wäre doch mal eine kurze Predigt. Die kann ich mir sparen!

Es klingt fast wie ein “antikes Wort zum Sonntag”, was Jeremia hier schreibt.
Ein gutes, rundes Wort zum Thema “Weisheit, Stärke, Reichtum”
Gut und richtig, aber doch eigentlich selbstredend.
Doch mit dem Sparen ist es oft nicht so einfach. Es kann auch am falschen Ende gespart werden, wenn man sich nicht die Mühe macht noch einmal ganz von
vorne anzufangen. Alles muss von Anfang an noch einmal durchgegangen werden um zu entdecken, ob wirklich gespart werden kann.

Nach genauem “durchrechnen” des Textes von hinten nach vorne und wieder von vorne nach hinten habe ich festgestellt, dass
Jeremias Spruch keineswegs so selbstredend ist, wie er mir zunächst erschien. Also ein neuer Anlauf den Text zu verstehen:

“Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker nicht seiner Stärke, ein Reicher nicht seines Reichtums.”

Die Reihenfolge überrascht etwas.
Heute würden wir vielleicht anders ordnen:
Reichtum Stärke Weisheit.
Also Geld, Macht, Bildung erscheinen eher gesellschaftliches Streben wiederzuspiegeln, wobei da noch zu fragen wäre, ob die Weisheit überhaupt in der Reihe einen Platz hat.

Doch ob Weisheit, Stärke, Reichtum oder umgekehrt; begrifflich hängen die drei zusammen und bedingen sich gegenseitig:
“Wissen ist Macht und die Mächtigen pflegen wiederum, reich zu sein. Weisheit, Stärke, Reichtum sind Variationen ein und desselben Themas. Sie sind verschiedene Ausdrucksformen der
menschlichen Allmacht.” Jeremia proklamiert also nicht triste Moralität, nicht fromme Demut. Er formuliert kein Manifest typisch protestantischer Lebenshaltung im Sinne einer Verzichts- und Bescheidenheitsethik.
Es geht nicht um Menschen, die vieles nicht tun, was sie könnten, und vieles nicht dürfen, was sie wollen. Nicht um Verbote, die in der sogenannten Welt hoch im Kurs sind. Jeremia disqualifiziert nicht Bildung, Macht und Geld, sondern benutzt diese drei Begriffe um das Wesen der menschlichen Allmachtsvorstellungen zu beschreiben.
Das wird besonders an dem Verb “sich rühmen” deutlich;
man könnte auch mit “loben, preisen” übersetzen. Im Hebräischen wird eine Form des Wortes
benutzt, das auch im Deutschen bekannt ist, nämlich “Halleluja, lobt Jahwe, preist den Herrn”.

Mit rühmen ist also nicht bloßes prahlen gemeint, im Loben und Preisen steckt mehr:
“das Sich verlassen auf etwas”, das “Sich festmachen” und “Gründen auf
jemanden”. Wer sich seiner Selbst rühmt, will sich auf sich selbst verlassen. Rühmen ist aber nicht grundsätzlich verboten.
Niemand kommt an dem Phänomen vorbei, das Anerkennung heißt. Und Anerkennung braucht man nicht nur vor den Leuten, sondern auch vor sich selbst.
(#The Voice; Konfi_zugabe )

Man muss sich rühmen können,Besser: ich muss es können, Sie müssen es können; denn ein geglücktes Verhältnis zu mir selbst muss zur Sprache kommen und laut werden. Was Jeremia will, liegt aber auf einer anderen Ebene:
Worauf gründe ich mein Leben, worauf vertraue ich, was ist mein einziger Trost im Leben und im Sterben?
Wie steht es angesichts dessen mit der menschlichen Allmacht?

Ich frage mich, was wohl Jeremias erste Zuhörer damals vor 2600 Jahren gedacht haben, als sie diese Worte zum ersten Mal hörten.

Als Bewohner des kleinen Staates Juda, also des Teils Israels, der nach dem Untergang des Nordreiches übriggeblieben war, waren sie Spielball im Machtkampf der altorientalischen Großmächte. Immer abhängig von den wechselhaften Entscheidungen verschiedener Könige.
Innenpolitisch erlebte Jeremia einiges an Weisheit, Stärke und Reichtum: politischen Opportunismus, Willkürherrschaft, Unterdrückung von Witwen, Waisen und Fremdligen. Ebenso Gewalt und Blutvergießen, Ausbeutung und Profitstreben, Untreue und Betrug, Verleumdung und Lüge.
Kaum zu glauben, dass vom 7. vorchristlichen Jahrhundert die Rede sein soll. Offenbar ist die Distanz zwischen den Zeitgenossen von Jeremia und uns heute gar nicht so gewaltig: Die Ergebnisse menschlichen Tuns nach dem Motto “nichts ist unmöglich” liegen in beiden Zeiten offen zutage.

Doch Jeremia bleibt in seinem Spruch nicht bei der Negation, nicht bei der Kritik menschlicher Allmacht stehen.

Der Text nimmt eine Überraschende Wendung.:

“sondern wer sich rühmen will, der rühme
sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin…”

Es wird noch einmal deutlich, dass
nicht das Rühmen, das Sich verlassen auf etwas ausgeschlossen werden soll. Ich soll mich rühmen, ich darf mich verlassen.
Und jetzt antwortet der Text überraschender Weise nicht mit einem: “Verlasse dich nicht auf deine eigene Macht, sondern auf Gott!”
Nein, es heißt: “Rühme dich, dass du klug bist und Gott kennst”.

In meiner Beziehung zu mir selbst soll ich mich auf einen anderen, nämlich auf Gott verlassen.
Jeremia nennt dieses Phänomen Klugheit und Gotteserkenntnis, der Apostel Paulus nennt es Glaube.

Beide meinen
aber dasselbe:

- Ein Leben aus der Hoffnung, dass Gott mit seiner Welt noch nicht am Ende ist.

- Ein Leben, das sich von Gott getragen, von ihm geliebt und angenommen weiß.

- Ein Leben, das teil hat am Heilshandeln Gottes.

Dass ich mich in meiner Beziehung zu mir selbst auf einen anderen verlassen darf, ist mehr als eine Wortspielerei, mehr als ein intellektueller Rösselsprung.

Es heißt, dass Gott mich meint, mit mir zusammen sein will, mich kennt.

Es heißt sogar, dass ich erst weiß wer ich bin, wenn ich mich auf Gott verlasse.

Erst von Gott her weiß ich, wie es um mich
steht.
Empfange ich meine Identität von ihm her, lasse ich mir von ihm sagen, wer ich bin, entbindet mich das von der Suche nach mir einer stets neu zu entwerfenden Identität. Es macht mich frei für andere.

Der entscheidende Clou, die Pointe des Textes liegt aber darin, dass der Dreiheit “Weisheit, Stärke, Reichtum” eine andere Trias, nämlich “Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit” gegenübergestellt wird.
Damit werden nicht die schlechteren Güter gegen bessere vertauscht, verwerfliche Lebensziele gegen erstrebenswerte.
Vielmehr kennzeichnet die Entgegensetzung den unendlichen Unterschied zwischen Mensch und Gott.

Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit kennzeichnen Jahwe, den Gott Israels.
Dies sind aber nicht Eigenschaften dieses Gottes, sondern Formen seines
Handelns in der irdischen Realität, sozusagen Zuwendung in Aktion.

“Ich bin Jahwe, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit macht, schafft, durchsetzt auf Erden.”
Besonders missverständlich erscheint mir der Begriff “Barmherzigkeit”. Zu schnell erscheint der barmherzige Samariter und der mildtätige Sankt Martin vor dem inneren Auge.

“Barmherzigkeit Gottes” meint aber mehr als Wunden verbinden und Mantel teilen.
“Barmherzigkeit Gottes” ist Beziehung stiftende Zuwendung, die auch in
schweren Konfliktfällen bleibende Zuwendung ist.
Diese Zuwendung geht allem voraus und voran.
Sie hält durch, wo ihr Zorn und Aggressivität begegnet. Selbst dort, wo ausdrückliche Ablehnung und Aufkündigung der Beziehung behauptet wird.
Auch dort gilt, dass “Gott Bund und Treue hält und nicht preisgibt das Werk seiner Hände”.
Wenn ich Barmherzigkeit höre, denke ich an etwas Zusätzliches, Außerordentliches, nur vorübergehend nötig und nicht alltäglich zu Gebendes.

In Israel denkt man genauer: Hier ist “Barmherzigkeit” oder besser “Gnade”, die Bedingung der Möglichkeit für Leben und Zusammenleben überhaupt.
Zerstört werden menschliche Lebensbeziehungen durch Reichtum, durch Gewalt und instrumentalisierte Intelligenz.
Geheilt werden sie, indem nicht Hartherzigkeit, sondern Gnade, nicht das Recht des Stärkeren, sondern Gottes Gerechtigkeit zum Ziel kommt.

Nein, es ist kein Bild einer heilen Welt, das hier gezeichnet werden soll. Dazu war sowohl zur Zeit Jeremias als auch heute kein Anlass.
Natürlich ist die Frage berechtigt, wo es sich denn zeigt, dass Gott Recht schafft, dass seine Gerechtigkeit wirklich zum Ziel kommt.
Ist es denn nicht vielmehr so, dass immer noch das Recht des Stärkeren gilt, dass sich viel mehr Ungerechtigkeit breitmacht, als Gerechtigkeit sich ausbreitet? Wo ist das Recht, das Gott schafft angesichts der Menschen, die aus Kriegsgebieten flüchten müssen? Deren Eintreten für Demokratie mit Repression und Gewalt geahndet wird? Wo das Recht der Kinder, die auf der Straße leben? Wo das der Alten auf einen würde-
und liebevollen Lebensabend? Wo das der Jugendlichen auf Perspektiven für die Zukunft?

Dass Gottes Recht und Gerechtigkeit zum Ziel kommt, ist keine Wahrheit, die auf der Straße liegt und mit Händen zu greifen wäre.
Es ist eine Wahrheit, die wie Jeremia es sagen würde, in der Gotteserkenntnis gründet, die im Glauben Wirklichkeit wird.

Klein und unscheinbar, oft bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt kommt Gottes Recht daher.

Nie so, dass man sagen könnte: “siehe hier oder siehe da ist es”.

Der Glaubende lebt aber von der Hoffnung, dass Gott sich durchsetzten wird, dass er zum Ziel kommt und alle Tränen abwischen wird.

Auf dem Weg dahin weiß er sich mit hinein genommen in die Bewegung, die er
selbst erfahren hat: Gnade, Recht und Gerechtigkeit.

Nun könnte der eine oder die andere von Ihnen einwenden, ich sei doch sparsam gewesen zu sparsam.
Ich hätte denjenigen weggelassen, von dem Paulus sagt, Ihn allein möchte er kennen, nur Ihn rühmen. Christus den Gekreuzigten.
Doch kann ich keinen Unterschied zwischen dem erkennen, der uns von
Gott zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung gemacht ist und dem, der Gnade, Recht und Gerechtigkeit schafft.

Es ist jeweils derselbe.
Diesmal ging es darum, Ihm vom Zeugnis Jeremias her nachzuspüren.

Ein andermal will ich auf Paulus hören.
Auch dann, so bin ich mir fast sicher, werde ich mir die Predigt nicht sparen können.
AMEN”

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January 19, 05:09 AM

Erika Steinbach (MdB) twittert. Das ist erwähnenswert, weil die Unionspolitiker_innen die das tun an einer Hand abzuzählen sind. Sie twittert freundlich, höflich und professionell, immerhin ist einmal Informatikerin gewesen.

Und sie wittert über “Gott und die Welt”. Dabei betont sie hin und wieder (gegenüber katholischen Gesprächspartnern) sie sei evangelisch.

Allerdings hat sie ihrer Kirche schon vor längerer Zeit den Rücken gekehrt. Freilich nicht nur beim Amtsgericht, sondern beim damaligen Kirchenpräsidenten mit einer durch die Presse verbreiteten Erklärung (“Das Maß ist voll”).

Heute steht sie allerdings auf dem Standpunkt: Religion sei “Privatsache”. Was aufhorchen lässt, denn warum sollte ein “privater Kirchenaustritt” die Notwendigkeit einer öffentlichen Erklärung nach sich ziehen.

Und weil dieses “neue Medium Internet” gerade dabei ist die Trennung zwischen “Privatheit” und “Öffentlichkeit” neu zu definieren, sei an dieser Stelle ein kurzes Gespräch zwischen Volker Beck (MdB) und Erika Steinbach zitiert, in dem es um diesen “privaten Kirchenaustritt” geht:

.@ Wie fanden ihre homosexuellen Künstler-Freunde Ihre Kirchenaustrittsbegründung. b http://t.co/7wxxF1A3 Homosex /10 Gebote
@Volker_Beck
Volker Beck

@ Das hat sie überhaupt nicht aufgeregt,weil sie wie ich der Meinung sind, dass Kirche Verkündigung und nicht Politik machen soll
@SteinbachErika
Erika Steinbach


@ Ihre homosexuellen Freunde fanden cool, daß kirchliche Verkündigung sein soll, Homosexualität verstoße gegen die 10Gebote?
@Volker_Beck
Volker Beck
@ Zusätzlich spielte die beschlossene Segnung von Homogemeinschaften in Frankfurt eine Rolle, die ich für falsch halte
@SteinbachErika
Erika Steinbach
.@ Sind Sie auch gegen die Segnung von Heteroehen Wiederverheirateter?
@Volker_Beck
Volker Beck
@ Wenn eine Glaubensrichtung das in ihren Vorschriften verbietet, dann ist das deren Recht. Welche Religion auch immer.
@SteinbachErika
Erika Steinbach
@ Ja, Glaubensfreiheit ist immer auch Narrenfreiheit, solange es Rechte andere nicht verletzt.
@Volker_Beck
Volker Beck
@ Ich jedenfalls halte es nicht für Sünde, selbst wenn alle Religionen so sehen.
@SteinbachErika
Erika Steinbach
@ Religionen sind keine historisches Subjekt, sie haben auch keine Sichtweisen, diese haben nur Gläubige + ihre Gemeinschaften
@Volker_Beck
Volker Beck
@ Jeder Einzelne muss für sich entscheiden, wie er mit seinem Glauben und seiner Kirche zurechtkommt. Ist Privatsache.
@SteinbachErika
Erika Steinbach
@ Wenn frau PM zum Kirchenaustritt herausgibt, ist es nicht mehr Privatsache, Frau Kollegin! Jetzt nicht auf unschuldig machen
@Volker_Beck
Volker Beck
Wir werden das heute nicht lösen. Jetzt muss ich beschließen, leider . Vielleicht demnächst zu diesem Thema. Es gibt aber noch viele andere
@SteinbachErika
Erika Steinbach

 

Zusätzlich finden sich zwei kurze Tweets, in denen Frau Steinbach die Gründe für ihren Kirchenaustritt direkt benennt:

@ Mein Argument zum Wechsel war:"Ich bin bereits in einer politischen Partei.Beiträge an eine andere will ich nicht bezahlen"...
@SteinbachErika
Erika Steinbach
@ @ Die Ev.Kirche in Frankfurt hat von der Kanzel mehr Politik als Verkündigung betrieben.
@SteinbachErika
Erika Steinbach

Ich empfehle Frau Steinbach ihre Homepage zu überarbeiten, dort steht aktuell ein Text zu “Religionsfreiheit und Menschenrecht”. Sie sollte ihn, auch aus biographischen Gründen, um den Gedanken der negativen Religionsfreiheit erweitern. Dann würde sich auch ein sehr viel differenzierteres Bild ergeben.

Aktuell (18.1.2012) lautet der Text so:

Religionsfreiheit ist Menschenrecht – auch für Christen

Christenverfolgung! Eine Vokabel von gestern? Mitnichten.

Es gibt zahllose Menschen in Deutschland, die sich für jedwede Menschenrechte engagiert einsetzen. Kommt hingegen das Thema “Christenverfgolgung” auf, so werden sie entweder wortkarg oder relativieren diese Art der Menschenrechtsverletzung. Sie wollen nicht von Christen sprechen, sondern nur ganz allgemein von Religionsfreiheit. Ich bin für Religionsfreiheit, und zwar für jedermann. Das kann uns aber nicht an der klaren Erkenntnis hindern, dass Christen weltweit am intensivsten verfolgt sind. Über 100 Millionen Christen sind wegen ihres Glaubens von Misshandlung, Tod, Gefängnis oder massiver Diskriminierung bedroht.

Das Ausmaß an Diskriminierung, Unterdrückung und Bedrohung von Christen nimmt insbesondere in muslimischen Ländern seit Jahren beständig zu. Selbst in der Türkei, die ihren Blick bekanntermaßen nach Europa gerichtet hat – ein Land, dem wir freundschaftlich verbunden sind-, leben Christen nicht ungefährdet. Der Bau von Kirchen ist nahezu unmöglich. Christliche Geistliche befinden sich in Lebensgefahr, wenn sie durch ihre Kleidung als solche erkennbar sind.

Das kann nicht unwidersprochen hingenommen werden.

Ihre

Erika Steinbach”

Mit dem Einsatz für Verfolgte Christen in aller Welt sollten sich besonders die Mitglieder des Deutschen Bundestages befassen, die selbst einer Kirche angehören. Parteiübergreifend.

Und diejenigen, mitunter auch konfessionslosen, die keinen Unterschied, zwischen der Religionszugehörigkeit und Verfolgung von Menschen machen, wie z.B. Volker Beck, tun das durchaus überzeugend.

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January 09, 05:08 AM

Foto: Wikipedia

Der Bericht von Präses Nikolaus Schneider auf der Landessynode 2012 in Bad Neuenahr, liegt m.W. erstmals auch in einer kurzen Zusammenfassung vor. Eine Kurzfassung im PDF-Format findet sich hier.

Den ausführlichen Bericht gibt es in dem gleichen Format hier.

Auch wenn es einigen einfach erscheint so früh Kritik daran zu üben, was der Präses alles nicht gesagt hat:

Ich finde es bedauerlich, dass das Thema einer Digitalisierung der Gesellschaft mit keiner Silbe erwähnt wird. Dafür gibt es allerdings einen Werbeblock für die “Wallfahrt zu Heiligen Rock” nach Trier.
(-Artikel in Bearbeitung-)

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January 06, 01:33 PM

Foto: sxc.hu

Weihnachten, stehen die Kinder im Mittelpunkt.
Und es ist schön, die Spannung der Kinder mitzuerleben, die sich auf Weihnachten freuen. Was an Kindern so fasziniert, das ist ihr Unmittelbarkeit, die wir unter uns Erwachsenen oft suchen.
Und manches Mal kann man sich dann der Vorstellung kaum entziehen, dass Kinder im Grunde die besseren Menschen sind.

„Seht welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen und wir sind es auch.“ Heißt es im Predigttext für den heutigen 1. Weihnachtstag im 1Johannesbrief Kap 3:

Wir sind Kinder Gottes, weil wir von Gott angesprochen sind, weil er unser Leben begleiten will, weil wir von ihm her kommen und er für uns da ist. Kinder Gottes gehen den Weg des Erwachsenwerdens im Glauben. Richtig erwachsen werden wir dabei aber nie, Gott sei Dank! Wir bleiben seine Kinder, aber nicht als naive Gläubige, als kindlich verträumte, sondern als solche, die Unfertiges als Chance begreifen. Gottes Kinder sollen wir heißen, ja nicht nur heißen, sondern wir sind es auch.

Wir werden also selber Jesus-Kinder, Krippenkinder, die auf Gottes Fürsorge angewiesen sind.

In diesem einen Kind fängt diese neue Wirklichkeit an.
Nicht fertig, nicht erwachsen, aber sie beginnt in ihm, damit wir aus ihm leben können.

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January 01, 04:46 AM

foto: sxc.hu

Noch jung der Vorsatz.
Wenige Stunden erst.
Vielleicht Tage oder Wochen schon.
Doch ab heute zählt’s.
Es geht los.
Der Vorsatz gilt.

Die Strategie ist klar.
Die Ziele sind gesetzt.

Wohl dem, der das schon mal geleistet hat.
Denn dann ist Orientierung gegeben und für Umsetzung gesorgt.

Starke Leistung, wer dazu in der Lage ist: Ziele formulieren, Pläne machen. Und wenn es gut gelingt sogar die Strategien zu Selbstüberwindung mit einbauen. Dann geht es in großen Schritten auf das Ziel zu.

Grandios. Da kann man und Frau nur sagen Hut ab. Applaus.
Doch:
Das Jahr ist jung.
Der Kalender noch unbeschrieben, aber die Ahnung, dass alles so unberührt, so chancenreich und mit völlig offenen Möglichkeiten vor mir liegt, ist in Wahrheit wirklich nur eine Ahnung. Und diese Ahnung bleibt.
Sie hängt gewissermaßen schon als Begleitfaktor mit über dem neuen, noch jungen Jahr.

Schnell ist manchmal verflogen, was kraftvoll begann.
Und Biblische Weisheit geht in den Volksmund über:
“Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach.”

So schleicht er sich ein dieser Gedanke.
So mischt er sich unter alle gefassten Vorsätze.
Er begleitet den strunzenden Optimismus mit einer Ahnung davon, dass auch ein Scheitern nicht ganz ausgeschlossen ist.

Das Scheitern mitzudenken gehört nun nicht zu den Tugenden, die der Coach seinem Team mit auf den Weg zu geben hat.
Der Coach soll vielmehr stärken, hart machen.
Er soll zu Selbstvertrauen führen, das grenzenlos ist und das in dem vielzitierten Satz mündet, der von Sportlern, wie von Popstars gleichermaßen gerne bemüht wird:
“Ich glaube an mich.”

Dieses “Ich glaube an mich” ist gewissermaßen die Antithese zu der Jahreslosung aus dem 2.Korintherbrief 12,9: “Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den schwachen mächtig.”

Denn der Apostel Paulus, selber von gewisser körperlicher Schwäche gezeichnet, “coacht” die Gemeinde in Korinth auf eine Weise, die auch für damalige Ohren ungewöhnlich war.

Eigenes Versagen und die Möglichkeit des Scheiterns wird nicht ausgeblendet, sondern in den Blick genommen. Ja, mehr noch: “Schwäche” kommt überhaupt nicht als “Scheitern” zum Vorschein.
Vielmehr dient sie als Erweis der Gnade Gottes, die sich in den Schwachen als mächtig darstellt.

Was hier ausgesagt wird, ist nicht mehr und nicht weniger als eine Umwertung aller Werte einer Haltung, die den Wettbewerb und die Leistung als Ernstfall aller menschlichen Möglichkeit zu definieren versucht.

Erreichte Leistung und objektiv gemessener Erfolg ermöglichen die These vom Gewinn der These “Ich glaube an mich”. Zugleich jedoch verstellen sie die Sicht auf menschliche Wirklichkeit, die nie ohne Niederlagen auskommen kann.
Und was noch weitaus schwerwiegender ist:
Errungene Leistung und gefeierter Erfolg verstellen (meist) auch noch den Blick auf die Einsicht, dass menschliches Leben, ja, dass Leben “überhaupt” sich der Gnade Gottes verdankt.

Anders gesagt:

Ich kann nichts tun. Gott schenkt und ich empfange. Er gibt, mir wird gegeben.

Das lassen „wir“ modernen Menschen uns nur schwer sagen, dass wir nichts tun können.

Zu sehr wird uns das „Ich glaub an mich“ und das „Da geht noch was“ medial eingehämmert.
Und wenn dann nichts mehr geht, ist es eine Katastrophe. Eine Katastrophe, die nur noch von professionellen Helfern begleitet werden kann und muss, weil das Scheitern in unserer Gesellschaft keine Berechtigung und auch keinen Ort mehr hat.

Nichts haben wir mehr nötig als still zu sein und still zu halten, wenn Gott uns in unserer Schwäche Kraft schenken will.

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December 24, 11:53 AM

sxc.hu

Lieder haben es in sich!
Weihnachtslieder allzumal!
„Es stellt sich ein besonderes, unverwechselbares Gefühl ein; das verliere ich nie.
Die Weihnachtslieder tragen mich jedes Jahr wieder in der Erfahrung des Besonderen“; so beschreibt ein Prominenter sein Empfinden. Selbst ein „Stille Nacht, heilige Nacht“ aus dem dumpfen Lautsprecher eine Kinderkarusells gehört wohl auch ein wenig zu diesem „Besonderen“.
An Weihnachten ist das Besondere, dass es eine scheinbar identische Situation gibt. Eine identische Situation die sich gleichwohl jährlich wiederholt. An Weihnachten klingt in uns an, was wir sonst immer meiden, weil es nämlich leicht langweilig wird; an Weihnachten suchen wir das Besondere im Identischen.
Das Besondere im Identischen?

Erklärt das dieses besondere unverwechselbare Weihnachtsgefühl?
Geht es nicht genau darum, diesem Weihnachtsgefühl nachzuspüren? Es für mich fruchtbar zu machen, als eine Botschaft, als eine Lebenshaltung, die weit über diesen Heiligen Abend hinausreicht? Eben das Besondere im identischen zu entdecken?
Das nun freilich schafft man nicht so leicht.
Man und frau muss es sich vornehmen und wollen, dann kann so etwas gelingen:

-Dass ich mich neu sehe. Meine Person in neuem Licht.
-Dass ich klarer sehe, worauf es im Leben ankommt.
-Dass ich Auswege aus Sackgassen meines Lebens finde und breite, überschaubare Pfade verlasse.
-Und auch, dass ich glauben kann, und beten.

Wie ein Kind.
Zu einem Kind.
Das macht das Besondere der weihnachtlichen Situation aus, dass kann jedes Jahr von neuem beginnen.

Die vollständige Predigt könnt ihr hier nachlesen

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December 23, 05:45 PM

Ein wesentlicher Grund für zunehmende Unzufriedenheit mit politischem Handeln innerhalb unserer parlamentarischen Demokratie ist das Ausblenden der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Die Herausforderungen vor der die politischen Parteien stehen ist nicht gering zu schätzen. Bislang scheint dieser Vorgang noch nicht die erforderliche Aufmerksamkeit gefunden zu haben. Wahlerfolge der Piratenpartei werden als “Protest-Stimmen” gedeutet, die eine diffuse Politikverdrossenheit zum Ausdruck bringen würden. Wie “das Internet” “funktioniert” wird als eine von IT-Fachleuten und Konzernen zu beantwortende Fragestellung verstanden. Dabei geht es um einschneidende, geradezu evolutionär anmutende Veränderungen moderner Gesellschaften.
Für die Kirchen ist die Fragestellung einer Digitalisierung der Gesellschaft vor allem eine bedrohliche.
“Virtualität” steht für Phantasie-Welten und “Killerspiele”. “Das Internet” stiehlt den Menschen eigentlich nur Zeit. Die Zeit, die sie aber dringend mit anderen “echten” Menschen verbringen sollten. Dualistische Vorstellungen sind dem Christentum seit den Ursprüngen nicht fremd, bilden aber keine geeignete Grundlage der Frage nach der Digitalisierung der Gesellschaft angemessen zu begegnen.
Es ist interessant an den Stellen im Vortrag von Prof. Kruse wo “Politik” gesagt wird, “Kirche” einzusetzen. Dann kann verständlich werden, dass “das Internet” mehr ist als eine Spielwiese, die man auch unbeachtet sich selbst überlassen kann.

Ich danke Jörg Lohrer für diesen Hinweis.

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December 19, 04:24 PM

Sonntagspredigten sind oft zu lang! Vielleicht nicht in der Kirche, aber zumindest am Bildschirm. Diese Art der Rückmeldung habe ich mehrfach zu hören bekommen. Oft habe ich in der Vergangenheit auch gespürt: “Für’s Netz müsstest du das prägnanter sagen”. Das gelingt oft nicht. Hier habe ich einen Versuch gemacht, eine Predigt aus dem Jahr 2009, die in diesem Monat sehr oft gelesen wurde, in einer gekürzten Fassung noch einmal “anzubieten”. Mal sehen, welche Fassung mehr Leser_innen findet….

sxc.hu

Lächel doch mal!
Freust du dich denn gar nicht?
Nun sei doch nicht so!
Dir kann man aber auch gar nichts recht machen!

Vier Sätze, die wir nicht gern hören. Am Heiligen Abend in einer unbedachten Äußerung verwendet, können sie zu einem wahren Fiasko familiärer Befindlichkeit führen! Ich gebe zu ich hab´s nicht so mit dem Freuen. Der Zwang “gut drauf” zu sein, regt mich meistens mehr auf als an. Und dauergrinsende Fernsehgestalten, die mundgerecht die Welt erklären, lassen mich das Radio einschalten. Dabei schätze ich Freundlichkeit (zumal im Alltag) sehr und finde auch, dass man vor allem sich selbst gegenüber oft freundlicher sein könnte.Dann klappt´s vielleicht auch mit dem Nachbarn.

Aber wehe einer steht auf und sagt:
“Die Hände zum Himmel. kommt lasst und fröhlich sein!”
Das finde ich aufgesetzt, da mach ich nicht mit (Außer vielleicht, es ist gerade Karneval, da gelten ja hier im Rheinland die eigenen Gesetzte)! Ist der Apostel Paulus eine Grinsekatze, die zu aufgesetzter Freude ermuntern will? Man könnte meinen Ja! Zumindest, wenn man die Worte aus dem Philipperbrief Kapitel 4,4-6 liest.
Es gibt dazu die nette Anekdote, dass der Theologie Student in der Bibelkundeprüfung zum Philipperbrief gefragt wird, was er dazu wisse. Und er antwortete “Freut euch, liebe Brüder freuet euch!”Es entstand eine längere Pause in die hinein der Prüfer dann fragte: “Und weiter, was sonst noch”?Daraufhin antwortete der Student:“Und abermals sage ich euch, freuet euch!”

Die Freude des Prüfers dürfte sich in Grenzen gehalten haben, die des Prüflings ist leider nicht mit überliefert. Vielleicht war er eine richtige Frohnatur und kam schließlich doch noch mit seinem Wissen über den Philipperbrief heraus. Dann wäre vielleicht darin deutlich geworden, dass Paulus keineswegs ein Gute-Laune Missionar gewesen ist.

Denn liest man den Philipperbrief wird schnell deutlich, dass der Apostel eigentlich überhaupt keinen Grund hatte sich über die Maßen zu freuen. Im Gegenteil! 
Paulus bezieht sich hier auf das „Kommen Gottes“ als Grund seiner Freude.

Doch wenn Paulus hier an dieser Stelle, aus dem Gefängnis heraus, vom Kommen Gottes redet, meint er nicht die vielzitierte besinnliche Adventszeit, die als Vorfreude auf den Heiligen Abend im Kreise der Familie zielt.

Nein, der Apostel zielt nicht auf Besinnung, zielt auch nicht darauf, dass es sinnvoll sei, das Leben mit Gott.
Und er zielt erst recht nicht darauf, dass ein christliches Leben frei von Angst, Sorge und abgründigster Not sei.

Wenn Paulus sich hier freut, dann freut er sich auf das Kommen Jesu am Ende aller Zeit. Der Apostel hat sein persönliches Ende im Blick. Paulus hat also sein Ende im Blick, aber nicht, damit endlich alles vorbei sei, sondern weil er dann in Gemeinschaft mit Christus leben kann und damit auch Einblick hätte in die Geheimnisse Gottes, die uns heute –oft schmerzlich genug- vor Augen stehen.

Das Kommen Gottes als endzeitliche Kommen ist der Grund zur Freude!

Und dann, kann die Freude wahrlich nicht groß genug sein.
Weil sich dann die Hoffnung erfüllt und bewahrheitet, dass Gott es gut mit uns meint.Dass es um Ende der Zeit wirklich gut ausgeht und nicht am Ende Chaos herrscht und sich die Welt und alles je gewesene in Luft auflöst und nur noch vorschöpferischen Rauschen herrscht.Der Blick auf das Kommen Gottes am Ende aller Zeit, ist für den Glaubenden das Zentrum seiner christlichen Existenz.

Denn hier entscheidet sich, das Glaube mehr ist als Versüßung oder Verzierung unseres Lebens.
Hier wird die tiefe Glaubensgewißheit deutlich, ohne die alles kirchliche Tun und Lassen bedeutungslos wäre.

Wären Christen nicht von Anfang an im tiefsten ihres Herzens davon überzeugt gewesen, dass Jesus Christus die Wahrheit über Gott und sein Handeln an uns zeigt, wäre es nie zu einer Bildung einer Kirche gekommen.

Am Anfang also steht der unerschütterliche Glaube an Christus als den, der mein Leben in seinen Händen hält.

Und der es zum Guten führt –unabhängig davon ob es lang ist und in meinen Augen gelungen, oder ob es abgebrochen und verfehlt erscheint.

Nicht meine Deutung entscheidet über mein Leben, sondern entscheident ist, wie Gott mich ansieht.
Und in Jesus sieht Gott mich als jemanden an, der perfekt ist.
Vor Gott bin ich perfekt –das ist der Kern des Evangeliums, dessen strahlende Leuchtkraft leider allzu oft verdunkelt wird.
In Klammern gesagt: Auch durch das, was Kirche gennant wird! Doch das wäre ein anderes, ein vielschichtiges und vorallem ein sehr schmerzhaftes Thema.

Dass ich vor Gott so sein darf wie ich bin, weil er mich besser kennt, als ich mich kenne und mich trotzdem als perfekt ansieht, dass stärkt meinen Glauben und lässt mich gewiss sein, dass es zu einem Ende ohne Schrecken kommen wird.

Darüber kann man und frau sich freuen.
Bis über beide Ohren sogar, ohne damit zu einer Grinsekatze oder Grinsekater zu werden.

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December 09, 06:06 AM

foto: sxc.hu

Alle Kirchenjahreszeit wieder offenbar dasselbe Ritual: Die kreativen Werbetexter_innen ersinnen zu den Feiertagen einen griffige Slogan, der sich einerseits festsetzt, andererseits Widerspruch hervorruft. War es Ostern noch eine Buchhandlung, die ihre “Hasenfest” Werbung zurückzog, soll jetzt einem Elektronik Markt auf die Finger geklopft werden. Hier wie dort von der (katholischen) Kirche. Doch nicht nur institutionalisierte Formen des Christentums melden Protest an, auch in sogenannten sozialen Netzwerken meldet sich erheblicher Widerspruch gegen die “These”: “Weihnachten wird unterm Baum entschieden”.

Der christliche Widerspruch führte sogar zu einer Einheits-email, die die Elektronikkette an aufgebrachte Kritiker verfasste. Die Eindeutigkeit der dort gegebenen Erklärung führte in den meisten Fällen jedoch zu noch mehr Kritik, denn in dem Schreiben wurde in schlichter Marketing Sprache erklärt, dass Weihnachten tatsächlich unterm Baum entschieden werde, und zwar am besten mit dem Produkten, die man zu äußerst günstigen Preisen in eben jenem Markt kaufen könne. Insofern bringe der Spruch auf den Punkt, was sich am heiligen Abend, unter vielen Weihnachtsbäumen in der guten Stube, ereigne. Religiöse Gefühle wolle man nicht verletzen.

Es liegt natürlich nahe zu opponieren: Schließlich werde Weihnachten nicht unter dem Baum, sondern in der Krippe entschieden. Allerdings ist es mir dann doch lieber die Unterhaltungselektronik liegt unterm Baum und nicht in der Krippe. Denn auch das ist doch nicht von der Hand zu weisen: Das Zeug muss doch irgendwohin!
Es beschleicht mich der Verdacht, dass Kirchenmenschen doch einwenig neidisch sind, auf die Macht der Worte, mit denen die Werbeindustrie sich die Deutehoheit über den Dezember erkauft. Das “Eigentliche”, so der weitere Verdacht gerät doch dadurch immer mehr ins Hintertreffen. Das dürfen “wir” nicht zulassen, da müssen “wir” gegenhalten ist die faktische Konsequenz zu einem derartigen Machtspiel.
Doch sind wir als Christenmenschen gut beraten uns auf diese Art des Kräftemessens einzulassen und ebenso lautstark gegen die großmäuligen Sprüche zu reagieren?

ER kam auf einem Esel und nicht auf einem Roß.
ER kam als schutzloses Kind und alle knieten nieder.
ER zog durch die Provinz und nicht durch die Gassen von Jerusalem.
ER starb schändlich als geächteter Verbrecher. Abseits.

Vergessen?
Manchmal frage ich mich, ob das Evangelium von Jesus Christus nicht sogar verraten wird, indem man auf Recht, Verantwortung, und Auftrag pocht. Welch Kleinglauben, das Evangelium könne sich seinen Weg in die Herzen der Menschen nicht auch durch den größten Trubel hindurch bahnen. Ich freue mich übrigens (dem “Internetz” sei dank) über jeden Agnostiker, der brav sein Adventstürchen öffnet und über jeden Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters der des Sonntags seinen Adventskranz bedient.

Und was den Slogan betrifft, warum nicht antworten:
“Stimmt Weihnachten wird unterm Baum entschieden. Aber das iPad ist zu flach. Da gehört dann doch die Krippe drauf!”

Vermutlich würden mehr Türen auf als zu gehen.

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December 06, 09:48 AM

Gestern zitierte mein Chef im Pfarrkonvent aus der aktuellen Ausgabe von Chrismon plus Rheinland und ich traute meinen Ohren nicht: Werbung für meinen Blog! Meine Bemerkung: “Oh! habe ich noch gar nicht gelesen, iss ja Print”, sorgte für allgemeine Erheiterung. Aber man kann Chrismon plus Rheinland auch online lesen. Die “Werbung” für Pastorenstueckchen  findet sich auf S.9 der aktuellen Ausgabe

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December 01, 10:38 AM

foto: sxc.hu

Weil Predigt eigentlich fürs Hören geschrieben wird. Hier ein Mitschnitt aus dem Gottesdienst am ersten Advent in der Friedenskirche. Die Qualität ist noch verbesserungswürdig, aber das Geraschel hört nach einer Minute immerhin auf. Leider war das richtig gute Gemeindemikro nicht verfügbar, aber für elf Minuten und 50 Sekunden mag es für dieses Mal gehen….

Predigt Offenbarung 5,1-5

Und für die, die nicht die Zeit zum Hören haben, folgt eine Kurzfassung:

„Ich sehe was, was du nicht siehst.“ Das kennen Sie.
Das beliebte Spiel „ich sehe was, was du nicht siehst“ war einst besonders auf langen Autofahrten beliebt. Bevor es diese eingebauten Fernseher in den Kopfstützen der Elternsitze im Auto gab.
Es wurde gespielt immer wenn die Reise lang zu werden drohte, oder schon längst viel zu langweilig geworden war.

In gewisser Weise ist der Predigttext vom heutigen Sonntag auch so ein „Ich sehe was, was du nicht siehst“ Spiel. Gespielt vom Schreiber der sogenannten Offenbarung des Johannes.
Er schreibt auf, was er sieht, was die anderen (seiner Zeitgenossen) nicht sehen.

Doch lesen sie selbst:
Offenbarung des Johannes aus dem 5.Kapitel, die VV 1 -5:

Ein visionärer Text. In der Tat. Doch kranken Visionen manchmal daran mindestens geheimnisvoll, rätselhaft, wenn nicht gar ganz unverständlich daher zu kommen.
Bei diesem Text scheint es nicht anders zu sein. Doch bei genauerem hinsehen trifft das auch auf weitaus verständlicherer Texte zu, wie z.B. die Evangeliumslesung aus dem Matthäus Evangelium, dass wir in der Schriftlesung gehört haben. Jesus zieht in Jerusalem ein. Eine den -zumindest bibelkundigen- Lesern bekannte Geschichte. Doch muss man auch hier schon etwas um die Ecke denken. Denn schließlich ist diese Geschichte eine Erzählung, die eigentlich den Anfang der Passionsgeschichte einläutet. Und weil die Passionszeit eine Warte- und also Vorbereitungs- und Bußzeit ist, „passt“ das natürlich auch an den Anfang der zweiten Buß- und Vorbereitungszeit im Jahr, nämlich der Adventszeit.

Letztlich nötigen uns beide Texte am heutigen ersten Advent konsequent dazu sie „quer“ zu unserer Erwartungshaltung zu lesen.

Der erste, also der Evangeliumstext von Jesu Einzug in Jerusalem nötigt uns dazu unser Bild von „herrschen“ und „Herrschaft“ zu überdenken.
Unser Herr kommt nicht hoch zu Ross. Er kommt auf einem Esel und dennoch in Art und Weise desjenigen, der die Insignien der Macht hat.
Aber anders als die „Herren der Welt“ setzt er seine Macht nicht für sich selbst, sondern für andere ein.

Diese „Machtausübung“ Jesu, die die Macht der eigentlich Mächtigen konterkariert wird innerhalb der Verkündigung der Kirche oft vorschnell von seiner Auferstehungsmacht überstrahlt.
Hier wäre durchaus angebracht über den Gebrauch von Macht durch Ohnmacht zu sprechen. Nicht vorschnelle Demonstration von mächtigen und auch gewaltigen und oft auch gewalttätigen Entscheidungen wird sich durchsetzten. Sondern die Kraft des Mächtigen, der seine Macht und Stärke aus der Ohnmacht und schließlich sogar aus der Gottesverlassenheit zieht.
Ihm und keinem anderen gilt: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.

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