Pergamon Expedition
Die Überreste des antiken Pergamons sind vom 04.-09.04.2011 das Ziel einer künstlerischen Expedition von asisi unter der Leitung des Architekten und Künstlers Yadegar Asisi. Ich bin als Begleiter dabei und werde versuchen meine Eindrücke auf dieser Seite wiederzugeben.
Posts
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Die antike Metropole Pergamon ist im Frühling ein mit Blüten durchsetzter grüner Teppich. Alle Pflanzen nutzen die kurze Zeit, bevor die große Hitze beginnt, um sich in ihren schönsten Farben zu präsentieren. Gras wogt in hellstem Grün, Kamille leuchtet Weiss wie frisch gefallener Schnee, Calendula strahlt fast Neongelb und Mohn funkelt im edelsten Rubinrot. Insekten sind angestrengt bemüht, jeder Blüte einen Besuch abzustatten und besonders Bienen summen in zufriedener Frequenz kreuz und quer durch die Akropolis. Kaum ist vorstellbar, dass diese Idylle noch zu überbieten ist. Und doch, etwas tiefer und nach Süd-Westen mehr der jungen Sonne zugeneigt, liegt ein verwunschener Garten, über den eine Göttin höchstpersönlich noch immer ihre schützende Hand zu halten scheint: Der Tempel der Demeter.
Folgt man von der Akropolis den alten Steinen, die bis heute die Strassen Pergamons anzeigen, hinab in die Bezirke der Bürger und Bürgerinnen, kommt man vorbei an den Überresten von Märkten, Bädern, einer Aula und Wohnhäusern, kann man diesen grossen Tempel leicht übersehen. Liegt er doch vom Weg aus uneinsehbar auf einer Terrasse und hinter wichtigen Ausgrabungen, wie z. B. dem "Haus Z" und dem in seiner Größe beeindruckenden Gymnasion. Zwar weist ein Schild auf den Demetertempel hin, doch ist schon der Zugang stärker und höher bewachsen, als als bei jedem anderen Ort. So kommt es, dass nur sehr wenige Menschen dort hinkommen und - aus welchen Gründen auch immer - niemand sich um ihn zu kümmern scheint. Wie von einem unsichtbaren Schutz eingehüllt, ist dieser Ort, losgelöst von Zeit und Raum, ein kleiner Garten Eden.
Das versteckte Paradies
Um ihn zu betreten, verlässt man den Weg, der vom "Haus Z" zum Gymnasion führt, auf halber Strecke bergab nach rechts. Früher war dies wohl ein 2 Meter schmaler, unauffälliger Durchgang, der, einem kleinen "s" folgend, zum Zugang des Tempels führt. Kurz bevor man ihn erreicht, war man wahrscheinlich von Plätschern und Wassergurgeln umgeben, den es ist ein Kanal zu überwinden, der direkt neben einem damals wohl imposanten Brunnen liegt. Man kann sich dieses lebendig und belebende Geräusch in dieser Kulisse leicht vorstellen. Heute finden sich um den Brunnen schon Anzeichen dessen, was einem nach betreten des Tempels noch blühen soll. Ungewöhnliche Flora in Hülle und Fülle und Bienen in solcher Zahl, dass ihr Summen beinahe hypnotisierend wirkt, fallen sofort auf. Von oben führt ein zweiter schmaler Treppenweg direkt auf die beiden Säulen zu, die vom überdachten Eingang übrig geblieben sind. Steht man zwischen ihnen, trifft einem der paradiesische Anblick dieses kleinen Garten Eden mit voller Wucht.
Bei meinem ersten Besuch blieb ich beeindruckt stehen, überlegte, ob ich weiter gehen soll. Weiter gehen darf. Vorsichtig stieg ich die wenigen Stufen hinab und setzte meinen Fuss in diesen hochflorigen Teppich aus vielen unterschiedlichen Pflanzen. Bis zur Hälfte der Wade, teilweise sogar bis zum Knie, versank ich im Blumen und Blütenmeer. Bienen und kleine Hummeln macht ihr emsiges Summ- und Brumm-Konzert dazu und - bedingt durch die Anlage als in den Berg hinein gebautes Gebäude, -verschwanden die Stadtgeräusche Bergamas, die sonst aus dem Tal nach Pergamon herauf tönen, hinter einem harmonischen Gleichklang aus säuselndem Wind, sanft rauschender Flora und der Geschäftigkeit der Hymenopterae.
Ich wollte nicht umdrehen, wollte aber auch nicht weiter tumb durch die Pflanzen trampeln. Ein Ausweg bot sich, als ich die durchgehende Reihe der am Boden liegenden Tempelbruchstücke sah, die den äusseren Rand des Tempels säumten. Ich ging einige Meter auf ihnen, bis ich einen kleinen Pfad mit niedrigem Graswuchs sah und darauf wechselte. Am Ende des Tempels nach ca. 100 Metern sah ich auf der linken Seite einen Durchbruch in der niedrigen Restmauer. Eine Treppe aus Steinquadern führte 3 Meter hinab, hinein in eine noch üppiger wachsende Pflanzenwelt. Links verließ ich den kleinen quadratischen Raum, um in einen schmalen, noch üppiger bewachsenen Gang zu gelangen, der parallel zum Tempel zwischen einer Innen- und einer Aussenmauer liegt. Nicht nur die paradiesische Bepflanzung auch die vielen kleinen Wasserbecken und brunnenartige Konstruktionen scheinen darauf hinzudeuten, dass dieser Gang schon immer ideal für eine Bepflanzung gewesen sein muss. Ich weiss es nicht, aber es ist, steht man an diesem Ort, leicht vorstellbar.
Persephones Heim für ihre kurze Zeit auf Erden
Insgesamt schlich ich vorsichtig wohl eine Stunde durch Demeters Tempel und Garten, machte Fotos, schaute ihren kleinen Schutzbefohlenen bei ihrer konzentrierten Arbeit zu und entspannte mich an Körper und Seele. War das Asklepion ein Neustart für Seele und Körper und ein Ort der Heilung, so ist der Tempel der Demeter ein heiliger Ort der Andacht und des Staunens. Das aus ihrem Tempel der Anbetung ein Garten Eden wurde, der gleichsam von ihrer Tochter Persephone als Heim für ihre wenigen Tage außerhalb des Hades auserwählt sein könnte, scheint ihrer Natur und ihrem Willen zu entsprechen.
Man spürt dort ein Lächeln.
Ein göttliches Lächeln, dass Ehrfurcht vor den Wundern der Natur lehrt.
Vielleicht weilt sie noch immer dort, die Göttin der Fruchtbarkeit. Vielleicht wohnt ihre Tochter im Frühling in diesem Tempel und erfreut sich mit ihrer Mutter am überschäumenden Treiben von Flora und Fauna.
Aber sicher ist, dass dieser Tempel in dieser Jahreszeit einer der schönsten und verzaubertsten Orte ist, die ich kenne.
Noch weitere 2 Mal war ich in Demeters Tempel und zeigte ihn meinen Expeditionskollegen.
Keiner konnte sich dem Zauber dieses Ortes entziehen.
---------------------------------------
Alle Fotos der Bilderserie "Demeter Tempel" finden Sie hier:
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Überall haben Menschen in der antiken Metropole ihre Zeichen hinterlassen. Ob es die Markierungen der Steinmetze, Inschriften oder Ornamente sind, sie alle zeugen von dem persönlichen oder beruflichen Willen, Unsterblichkeit zu schaffen. Dieses Album zeigt Stücke aus der Nähe.
Hinweis: Da die Post leider nicht rechtzeitig die mir von Sony freundlicherweise zur Verfügung gestellte Bloggie-Cam brachte, habe ich meine kleine Leica für die Videoaufnahmen genutzt. Sie macht schöne Bilder, aber der Ton ist nicht so gut. Das bitte ich zu entschuldigen.Dennoch war es mir wichtig, dass ich ein paar Videos aufnehme, die einen Eindruck von dieser Expedtion geben sollen.
Auch wenn es bitterkalt war. So kalt, dass mein Mund sich wie eingefroren anfühlte. Dennoch hoffe ich, dass der besondere iPad-Einsatz von Yadegar Asisi verständlich wird. Bilder, die er so erschaffen hat, folgen.
Dokumentation Pergamon Expedition: bit.ly/avc-pe
Pergamon | Episode ll | "Herr Asisi, warum nutzen Sie ein iPad?" from frank_tentler on Vimeo.
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Da die Post leider nicht rechtzeitig die mir von Sony zur Verfügung gestellte Bloggie-Cam bringen konnte (DANKE! an Sony und ich werde sie sicher anderswo ausgiebig testen), habe ich meine kleine Leica für die Videoaufnahmen genutzt. Sie macht schöne Bilder, aber der Ton ist nicht so gut. Das bitte ich zu entschuldigen.
Dennoch war es mir wichtig, dass ich ein paar Videos aufnehme, die einen Eindruck von dieser Expedtion geben sollen. Den Anfang macht Architekt und Künstler Yadegar Asisi. Er führt Fakten, Forschung und künstlerische Umsetzung in einer Person zusammen. Daher ist es spannend, ihm zu zuhören, wenn er über seine Seh-Welt erählt.
Bitte auf das Funkeln in den Augen achten!
Dokumentation Pergamon Expedition: bit.ly/avc-pe
Pergamon Expedition | Eins | "Herr Asisi, was sehen Sie?" from frank_tentler on Vimeo.
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Das erste nächtliche Fotoshooting ist vorrüber und ich möchte allen LeserInnen der Expeditionsberichte und Frühaufstehern ein kleines Geschenk machen, bevor ich schlafen gehe. Ich habe Fotos gemacht, die ich schnell hochgeladen habe, um so ein paar Eindrücke weiterzugeben. Kurzgesagt: Es war ein echtes Erlebnis und echt kalt. Später gibt es einen Bericht dazu. Jetzt erst einmal eine Mütze Schlaf. Iyi geceler!
Bild: ©Asisi Visual Culture (Bild darf zu nichtkommerziellen Gebrauch unverändert genutzt werden)
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Ich sitze auf den Stufen des Theaters, spüre den warmen Stein unter mir und höre unwirkliche Geräusche, die sich wie gefangene Echos im steilen, leicht runden Aufbau dieses uralten Kulturortes brechen. Dieser Ort ist magisch. Flüstern wird zu verständlichem Gemurmel, Unterhaltung zu lauter Diskussion, Rezitation zu Donnerhall. Wir haben es probiert und der Effekt ist beinahe unheimlich: steht man an einer Stelle am Fusse der steinernen Sitzreihen, die durch eine Stange markiert ist, bekommt die eigenen Stimme ungeheure Macht. Nicht in der Lautstärke, auch an innerer Kraft und Sprachdynamik haben die antiken Bauherren nicht gespart.
Nur einmal würde ich gerne erleben, wie die Einwohner an einem Frühlingstag hier saßen, lauschten, sich vielleicht eine unten im Dionysos-Heiligtum stattfindende Opferung ansahen, bei einem Stück weinten, lachten, es beklatschten oder den Sprecher verfluchten. Einen Tag würde ich gerne an genau dieser Stelle sitzen. Etwa in der Mitte, links aussen, den leichten Wind im Gesicht, die warme Frühlingssonne auf der Haut.
Diesen Ort gab es schon vor 2000 Jahren. Ich bräuchte mich nicht zu bewegen. Zumindestens nicht im Raum. Nur in der Zeit. Etwas drehen, dehnen, zurücktreten, bis ich es sehe, höre, fühle.
Dieser Ort ist magisch. Eine Brücke. Man braucht nicht viel sie zu überschreiten. Drehen, dehnen, zurücktreten…
…die Sprache ist mir nicht fremd, auch wenn ich spüre, dass es nicht die meine ist.
Jemand lacht leise hinter mir. Von unten höre ich einen leisen Singsang, begleitet von einer schüchternen Trommel und einer klirrenden Zimbel.
Ich sehe neben mir einige Menschen - mehr Männer als Frauen - stehen und sitzen. Sie tragen helle Überwürfe, die Frauen mit bunten Schärpen um den Hüften.
Ich rieche…Weihrauch? Ja, Weihrauch. Ein schwerer, edler Duft, der die Nase nicht schmeichelt, sondern sie erobert. Sich festsetzt und ihr sagt: "Dies ist eine heilige Handlung. Zeige dich würdig ihr beiwohnen zu dürfen!".
Ich schaue hinab, sehe eine kleine Prozession. Langsam und würdevoll geht sie Richtung Dionysos Tempel. Kaum wundert es mich, dass er keine Ruine mehr ist. Die halbe Fläche am Fusse des Theaters ist ein überdachter Gang, der direkt zum Tempel führt. Strahlend hell steht der Tempel, seine Stufen makellos sauber, Die Säulen so eben gearbeitet, dass sie wie gegossen aussehen. Langsam nähert sich die Prozession. Als sie die Stufen erreicht, bleibt sie stehen, wartet. Ein Priester tritt heraus, gebietet ihnen den Tempel zu betreten.
Erst jetzt bemerke ich, dass auf der steinernen Bühne davor seltsam gewandete Menschen stehen. Einige haben Masken, andere sind stark überschminkt. Aber das ist kein Wunder, den der Dionysos-Tempel ist seit jeher ein Ort, wo Theater zu Hause, ja eng miteinander verbunden ist. Den Dionysos ist nicht nur die Gottheit des pergamonischen Herrscherhaus. Er ist auch der Gott des Schauspiels und der Schauspieler. Schauspielerei als eine Art des Gottesdienstes. Welch höhere Weihe kann Kunst erreichen.
Als die Prozession die oberste Stufe erreicht, nimmt die Schar ihr Tun wieder auf. Die Schauspieler sind in 2 Gruppen aufgestellt. Sie geben sich Anweisungen, wer wo zu stehen hat. Also eine Probe. Eine Gruppe beginnt einen Sprechgesang. Es scheint eine Heldenpreisung zu sein. Die andere setzt mit hellerer Stimme ein. Ein Zwischenruf. Einer der Maskenträger kritisiert. Man beginnt von Neuem.
"Frank? Frank!".
Ich öffne die Augen. Tauche auf aus der Tiefe einer anderen Welt. Verschwunden sind Menschen. Verschwunden Gebäude. Aber ihr Echo sehe ich. Menschen wie Gebäude.
"Wir wollen hinunter nach Bergama. Etwas essen. Magst du mitkommen?"
Ja, hungrig bin ich. Aber mehr nach dem, was ich gerade sah.
Ich lächle, stehe auf und gehe mit.
Aber ich komme wieder.
Es ist so einfach.
Drehen, dehnen, zurücktreten…
Dieser Ort ist magisch.
-----
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Wir sind angekommen. Dazwischen lag eine Nacht ohne Schlaf. Erst mit dem Zug nach Berlin, dann via Flugzeug nach Izmir. Von dort ging es weiter nach Bergama, dem türkischen Ort, der heute auf dem historischen Pergamon und unterhalb der Akropolis liegt, deren Reste ich schon ausgiebig von unten bestaunt habe. Gleich geht es zur Begrüßung zum hiesigen Bürgermeister und danach werde ich endich die Metropole kennen lernen, deren Gebäude und Strassen, Mauern und Tempel um einiges mehr geläufig sind, als die verwinkelten und quierligen Strassen und Gassen Bergamas.
Hier ein Reisebericht des ersten Tages.
04.04.11, 06:30 Uhr, Izmir
Das Flugzeug landet und reisst mich durch einen Hopser und enthusiastisches Klatschen der anderen Passagier aus dem ersten Schlaf, dem ich mich in dieser Nacht hingab. Dieses Klatschen habe ich schon lange nicht mehr gehört. Irgendwie ist es im restlichen Europa aus der Mode gekommen. Ich mag es. Es ist eine schöne Geste des Dankes an den Flugkapitän und seine Crew.
Kurz kommt am Gepäckband Sorge um das Gepäck auf. Mein Koffer fehlt. Aber was noch schlimmer ist: eine "geheime" Apparatur für die Nachtfoto-Session ist ebenfalls nicht in Sicht. Immerhin erfahre ich so, dass es ein ganz besonderes Erlebnis wird, wenn wir in einer Nacht Pergamon erhellen. Genau weiss ich es immer noch nicht, was Yadegar Asisi mit seinem Mitarbeiter ausgeheckt hat, aber es macht mich neugierig.
09:00, Bergama
Schon von weiten sieht man die Überreste Pergamons auf einem Hügel liegen. Überhaupt ist es hier wesentlich hügeliger, als ich es erwartet habe. Und wesentlich kälter. Weit unter 10 Grad und ein eisiger Wind machen den ersten Kontakt mit Bergama zu einer Zitterpartie. Aber wir finden schnell unser Gasthaus und es liegt wirklich direkt unterhalb der Akropolis. Was nicht viel heisst. Denn sie ist riesig! Erstreckt sich über einen kompletten Bergrücken und zieht sich zu allen Seiten auch ein ganzes Stück an ihm herunter. Die Zimmer sind gemütlich und der Empfang herzlich. Uns steht der Sinn jetzt nach einem warmen bis heissen Frühstück. Die Strassen von Bergama sind unglaublich geschäftig. Menschen wuseln in alle Richtungen durcheinander. Aber es ist ein geordnetes Chaos und ein sehr herzliches noch dazu, wie ich bald lernen werde. Das Frühstück ist...irgendwie anders.
Gäbe es nicht diese köstliche Linsensuppe, wäre es eine Mischung aus englischem und amerikanischen Frühstück: Wurst trifft Ei. Beide beschliessen Selbstmord in kochendem Öl zu begehen. Es gelingt ihnen und heraus kommt ein sehr würziges und nahrhaftes Frühstück, dass nach starkem Tee ruft, der eilfertig gereicht wird. Während die anderen nahtlos in diese Welt, die sie bereits kennen, eintauchen, fremdle ich noch ein wenig.
14:00, Bergama
Das ändert sich schlagartig, als wir den noch sehr jungen Bürgermeister, Mehmet Gönenc, von Bergama besuchen. Auch hier treffen sich alte Bekannte, denn 2 Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Nesrin Ermis und Hidir Gülbinat sind seit dem letztem Besuch, wo mit 60 Statisten in Pergamon Szenen aus der antiken Metropole nachgestellt wurden, Freunde geworden. Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft ist umwerfend und ich fühle mich - trotz ständigem Sekundenschlafs - sehr wohl.
Bürgermeister Gönenc interessiert sich sehr für das Thema und es wurden weitere Treffen und Begehungen für die kommenden Tagen verabredet. Gemeinsam mit Nesrin Ermis und Hidir Gülbinat sowie endlosen Geschichten über den letzten Besuch von Asisi Visual Culture in Bergamon, geht es ein paar hundert Meter weiter zum Pergamon Museum Bergama. Und auch wenn ich noch so müde bin, diese Szene werde ich noch erzählen.
Direktor Adnan Sarioglu empfing uns spontan und er rechnete sicherlich nicht mit dem, was ihn dann erwartete. Yadegar Asisi hatte einen 2 Meter langen Ausdruck einer ersten detailierten Skizze des Panoramas mitgebracht, die sehr exakt zeigte, was die fertige Version darstellen wird:
eine bunte, vor Leben überquellende und realitätsechte Darstellung des Lebens im antiken Pergamon!
Herr Sarioglu war völlig sprachlos und ging mit Yadegar Asisi immer wieder die einzelnen Gebäude und Szenen durch, diskutierte über das bunte Relief am Altar, die Überdachung des Dionysos-Heiligtums, die Bodenplatten, Faltenwurf der Togen, Häuserdächer...
Unser Tag hätte hier leicht ein Ende finden können, aber - nachdem versprochen wurde einen solchen Ausdruck des fertigen Panoramas zu schicken - ging es weiter...allerdings nicht ohne noch Ausstellungsstücke des Museums zu fotografieren, die für Detailsszenen benötigt werden.
16:00 Uhr, Bergama
Gleich um die Ecke führten uns unsere Begleiter in ein neues Restaurant. Mehr so eine Art privat geführte Edel-Kantine. Hier hätte unser Tag beinahe ein jähes Ende gefunden.
Die türkische Küche ist nicht nur grossartig, sondern auch in der Verschiedenheit der Speisen schwer zu überbieten. Ich versuche es einmal so zu beschreiben: Uns wurden 7 völlig unterschiedliche Desserts serviert. Sieben! Und das war nur der Nachtisch!
Über den Rest dieses Festmahl unter der überbordenden gastfreundlichen Betreuung der 3 Inhaberinnnen schweige ich. Nur soviel: Es fiel uns wirklich sehr, sehr schwer wieder auf Arbeitsmodus zu schalten.
In der Zwischenzeit hatte Hidir Gülbinat, unser deutsch sprechender Begleiter, eine unglaubliche Überraschung organisiert.
Stellt euch einmal ein Weltkulturerbe vor.
Sagen wir mal...den Kölner Dom. Und jetzt stellt euch vor, ihr erhaltet den Schlüssel dazu, inclusive Erlaubnis, dort überall ein- und auszugehen, wie es euch beliebt.
Tag und Nacht.
Kurz gesagt: Wir haben den Stadtschlüssel der antiken Metropole Pergamon!
Aber das erzähle ich in einer eigenen Geschichte. Denn das darf kein Reisebericht sein. So eine Form würde einem Erlebnis, dass ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde, nicht gerecht.
Schaut euch das Foto an und freut euch darauf.
Allaha ısmarladık!
------------------
Informationen zu den Panoramabildern der Asisi Visual Culture GmbH
Das antike Pergamon (Modell, Pergamon Museum)
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Morgen um diese Zeit werde ich das antike Pergamon durchschritten haben. Ich werde zur Akropolis hochgegangen sein und auf der Stelle gestanden haben, wo einst der Altar beheimatet war. Ich werde mir die Überbleibsel des Athena-Heiligtums angeschaut haben und ich werde auf den Fundamenten einer der grössten Bibliotheken gestanden haben, die die antike Welt kannte. Mein Weg wird zwischen Steinhaufen und Grundmauern führen, vorbei an gestürzten Säulen und zerstörten Gebäuden, von denen kaum mehr als ein Schatten, ein Echo der einstigen Herrlichkeit zu finden sein wird. Aber ich werde wissen, wie es einst aussah, welcher prachtvoller Anblick sich mir geboten hätte, wenn Pergamon die Stürme der Zeit überstanden hätte.
Denn ich habe Pergamon, die Herrliche, gesehen, wie sie war und wie sie wieder aus dem Staub der Geschichte auferstand. Ich habe die Menschen auf den Strassen gesehen, wie sie feierten, arbeiteten und lebten. So werde ich sie auch morgen sehen, wenn meine Schritte mich durch die Ruinen führen. Und so werde ich von ihr berichten. Und von den Menschen, die einst Pergamon bewohnten.
Pergamon ist mir seltsam vertraut. Ich sah zuerst Bilder ihrer intakten Gebäude und belebten Strassen, bevor ich Bilder ihrer Ruinen sah. In Bildern, Filmen und 3-D-Animationen lernte ich die Stadt wie eine reale Metropole kennen. Möglich wurde das durch die Einblicke in die Erschaffung des Panoramabilds, das gemeinsam mit einer Ausstellung im Pergamon Museum von Oktober 2011 bis Oktober 2012 seine Heimat findet. Die Asisi Visual Culture GmbH des Architekten und Künstlers Yadegar Asisi hat sich mit Herz und Seele der Aufgabe verschworen, Pergamon nicht nur perfekt visuell darzustellen, wie es Besucher damals wahrgenommen haben. Sie will den Betrachtern ihres Panoramabilds auch das Leben der Einwohner näher bringen und so einen Zeittunnel schaffen, der uns einen authentischen Blick in die Vergangenheit erlaubt. Gemeinsam mit der Ausstellung bietet das Panoramabild inter dem Titel "PERGAMON- Panorama der antiken Metropole" so eine nie da gewesene Möglichkeit, uns heute die Stadt, ihre Bewohner und deren Weltbild nahe zu bringen.
Mir ist also Pergamon so vertraut wie irgendeine entfernte Metropole, auf deren Besuch ich mich mit Reiseführern und Websites vorbereite. Paradoxerweise musste ich mir daher eher ein Bild über das heutige Aussehen Pergamons machen. Dazu holte ich mir das archäologische Standardwerk über Pergamon von Wolfgang Radt. In den letzten Tagen las ich in jeder freien Minute darin, da mich die Detailgenauigkeit und wissenschaftliche Tiefe des Buches faszinierte. Befürchtete ich zunächst, dass ich den lebendigen Eindruck der Stadt verlieren würde, ergänzten nach und nach die genauen geographischen und sozio-historischen Beschreibungen Radts meine Vorstellung des Lebens in dieser Stadt. Bilder von Ruinen wirkten plötzlich nicht mehr wie Haufen toter Steine. Mit etwas Vorstellungskraft erkannte ich die Gebäude wieder, die ich aus den Darstellungen von Yadegar Asisi kannte und mit Wolfgang Radts Beschreibungen kann ich mir das Leben, die sie beinhalteten, gut vorstellen. Ich weiss mehr über die Einwohner und ihr Leben, als ich von den allermeisten modernen Metropolen weiss.
Ich habe das Gefühl, dass ich morgen eine Stadt besuche, in der ich mich auskenne. Die sich mir als lebendig und nicht als Ruine präsentieren wird.
Diese Bilder vor Augen werde ich durch Pergamon gehen und versuchen, sie zum Leben zu erwecken.
Neben einer Dokumentation der Expedition wird das mein Hauptanliegen sein. Daran werde nicht nur ich einen Anteil haben, sondern Kulturblogger Christian Spließ begleitet mich aus dem fernen Duisburg mit täglichen Beiträgen über die Architektur und die Lebensweise in Pergamon. Ich hoffe, so gelingt uns ein realistisches Bild und wir fügen unseren Mosaikstein zu den Hunderten von Geschichten, die bald das Panoramabild seinen Betrachtern über Pergamon erzählen wird.
Für die Unterstützung vor und während der Expedition möchte ich mich herzlich bei Carsten Kieslich (Transmedia Design Konzept) und Christoph Müller-Girod (Beratung Media-Produktion, Social Marketing). Sie sind zwei der besten Beispiele dafür, warum man dieses Web "Social" nennt.
-----
Informationen zu den Panoramabildern der Asisi Visual Culture GmbH
Bild: © Asisi Visual Culture (Nutzung für nichtkommerzielle Zwecke, keine Veränderung)
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Als Kind, dass teilweise am Niederrhein aufwuchs, liebte ich die Familienausflüge nach Xanten. Nicht der Ort selbst, auch nicht der alte Dom und die wunderschöne in die Stadtmauer eingelassene Krimhild-Mühle erregten meine Aufmerksamkeit. Es waren die Überreste der alten Legionärs- und Handelsstützpunkte Vetera und Colonia Ulpia Traiana, die vor über 2000 Jahren einer der nördlichsten römischen Stützpunkte waren und von wo das Ende des Expansionsdrangs der römischen Herrscher seinen Anfang nahm, als Varus mit seinen Legionen nach Osten zog, um vernichtend geschlagen zu werden. Wir Kinder spielten in den teilweise wieder aufgebauten Ruinen Gladiatoren und Legionäre und bis heute hat dieser Ort und das anschliessende Museum eine hohe Faszination auf mich. Bis heute ist es aber die einzige Ausgrabungsstätte, die ich besuchen durfte. Das wird sich nun ändern.
Vom 04.-09.04.2011 begleite ich ein Team rund um den Architekten und Künstler Yadegar Asisi nach Bergama. Eine Stadt in der westlichen Türkei, die an der Stelle liegt, wo früher das antike Pergamon war. Y. Asisis Unternehmen, die Asisi Visual Culture, baut gerade – neben der Entwicklung einer zeitgleich vom 30.09.2011 bis Oktober 2012 stattfindenden Ausstellung im Pergamon Museum Berlin, an einem riesigen, bis in das kleinste Deteil realistischem Panoramabild, dass den Besuchern einen naturgetreuen Eindruck der antiken Metropole geben wird. Dieser Beitrag der Deutschen Welle erklärt, wie sich das Panoramabild entwickelt:
Wir haben einen sehr vollen Terminkalender. Neben ergänzenden Aufnahmen des Originalschauplatzes, werden für die perfekte fotorealistische Darstellung viele Aufnahmen in der Umgebung der antiken Metropole gemacht und einige Netzwerk- und Wissenschaftstermine wahrgenommen. Ebenso sind treffen mit einem Film- und einem Magazinteam aus Deutschland geplant, die über dieses Projekt berichten werden. Meine Aufgabe ist es, möglichst „Live“ im Social Web zu berichten und Material für das „Transmedia Storytelling" zum Projekt, dass ich leite, zu fotografieren und zu filmen. Ausserdem interessiert mich natürlich brennend, wie Yadegar Asisi arbeitet, wie er sich in diese ungeheuer komplexe Welt aus Wissenschaft, Architektur und Kunst zurecht findet. Da unsere Zusammenarbeit über einen längeren Zeitraum gehen wird, hoffe ich auch, ihn und seine MitarbeiterInnen besser kennen zu lernen. Was schweisst da mehr zusammen, als eine Expedition?
Und natürlich bin ich sehr gespannt, wie sich mir Pergamon darstellen wird.
Werde ich es schaffen, sie nicht nur als Ruine zu sehen?
Werde ich einen Hauch des quirligen Lebens ahnen, das diese Metropole in der Antike auszeichnete?
Ihren Geist oder ihre Geister spüren?
Ich werde berichten. Ab Montag jeden Tag und, wenn technisch möglich, den ganzen Tag.
Wer bei dieser Expedition dabei sein will, hat dazu die verschiedensten Social-Web-Kanäle zur Verfügung:
Blog/Website:
www.echtzeitgeist.de
www.asisi.de
Twitter:
@Frank_Tentler
@AsisiVC
Hashtags: #avcpe , #pergamon
Facebook:
Frank Tentler
Asisi Visual Culture
Das Asisi-Team und ich werden uns auch bemühen, alle Fragen möglichst zeitnah zu beantworten.Für mich ist das ein kleines Abenteuer. Mit tollen Menschen und einer geheimnisvollen, untergegangenen Stadt.
Und das ich endlich einmal wieder live produzieren darf, macht mir diese Expedition noch sympathischer.
Man liest sich!
Posts
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
-------------------------
Die ersten Sonnenstrahlen finden allmählich ihren Weg in die Straßen und Gassen von Pergamon. Zeit zum Aufstehen. Schließlich ist so viel zu tun: Die Kinder müssen zum Lehrer geschickt werden, die Klienten stehen vor der Tür und das Haus wird ja nicht von alleine verwaltet.
Das Frühstück ist alles andere als reichhaltig - meistens wird es in der dritten und vierten Stunde eingenommen, meistens gibt es auch nur Brot und Käse. Dazu Wasser, selten mal Milch oder Wein. Kyriates, der als Reisender natürlich etwas mehr Luxus genießen kann, gönnt sich, da er an diesem Tag nur noch das Abendessen zu sich nehmen möchte, ein etwas gehaltvolleres Frühmahl. Eier, Fisch, Gemüse und Fleisch lässt er sich servieren, etwas Honig und einige Datteln können auch nicht schaden. Kurz: Er genießt ein Prandium anstelle eines iantaculum.
Ein Morgen in der antiken Metropole
Allmählich schwillt der Stadtlärm an - das Leben im 2. Jahrhundert nach Christus findet überwiegend auf der Straße, in aller Öffentlichkeit statt. Wobei sich in der Akropolis der Lärmpegel wohl in Grenzen gehalten hab, da der Untere Markt wohl der erste Anlaufpunkt für Krämer, Feilscher und Markthändler gewesen sein dürfte - die Hauptstraße ist zwar gut gepflastert und hat Platz für Karren und Wagen, doch die serpentinenhafte Anlage, die den Berg heraufführt ist definitiv kein Weg, den man gerne hochgeht wenn man es nicht unbedingt sein muss. Kyriates kann ein Lied davon singen...
Großgrundbesitzer wie in Rom dürfte es in Pergamon ebenso gegeben haben. Und hier wie dort wird es die Oberschicht gewesen sein, die von den Ertragseinkünften der Ländereien gelebt hat. Vom Holz, von der Ziegenzucht, von den Hähnen ... Landwirtschaft hat einen hohen Stellenwert. Einige Bürger werden auch zu den angeseheneren Pferdezüchtern gezählt haben - Pferde aus Pergamon sind begehrt. Ebenso wie die immer noch ansehlichen Keramiken, die in den Töpfereien außerhalb der Stadt angesiedelt sind. Kyriates findet dies einen weisen Entschluß, denn Phineas berichtet ihm häufig davon, dass in Rom ständig Brände herrschen - kein Wunder bei den Baubedingungen, sinniert Kyriates. Zweistöckige Mietskasernen, eilig aus dem Boden gestampft, einsturzgefährdet... Von wegen Rom, glorreiche Stadt. Da ist Pergamon schon solider gebaut, trotz der Lage am Berg und trotz der zahlreichen architektonischen Tricksereien, die es ermöglichen auf diesen Terassenabschnitten zu bauen.
Bevor aber jemand wie Kyriates, der wohlhabend sein muss - sonst könnte er sich die Reise ja nicht leisten - nach dem Frühstück zur Arbeit geht, kümmert er sich erstmal um seine Klienten. Klienten, seufzt Kyriates innerlich, man kann nicht mit ihnen aber auch nicht ohne sie. Immer diese lästigen Bittgesuche. Andererseits: Viele Klienten waren freigelassene Sklaven, die sich dem Patron, dem Hausherrn, dem absoluten Herrscher der Familie, noch ergeben fühlten - und von denen man auch einen Teil seines Geldes bezog - oder es waren Leute, die unverschuldet in Not geraten waren. Die schon erwähnten Abgaben an Patron waren nur ein Teil der Pflichten, die diese Klienten als Gegenleistung für den Schutz eines angesehenen Bürgers erhielten - vom Kriegsdienst bis zur Begleitung des Patrons war so etliches denkbar.
Nachdem man dann den Hausgöttern, den Laren, geopfert hatte konnte man sich dann endlich dem Tagesgeschäft widmen: Die Kinder wurden zum Lehrer geschickt, den man selbst bezahlte - wenn man keinen gelehrten Sklaven hatte, der das erledigte. Und Schule, das hieß in erster Linie: Abschreiben und auswendig lernen. Wenn man Glück hatte, bekam als Schüler einen anständigen Lehrer an die Hand, der einen weder schlug noch anbrüllte... Man darf raten, wie angesehen der Lehrerberuf schon in jenen Zeiten gewesen sein musste. Der Schulunterricht fand überwiegend im eigenen Haus statt oder ab und an im Freien. In Pergamon dürfte sich dies wohl eher angeboten haben - bei den breiten Terassen... Mädchen verließen den Unterricht dann auch schon recht bald um zu lernen wie man den Haushalt führt. Kyriates achtete allerdings darauf, dass seine Söhne eine Waffe gut in der Hand halten konnten und vor allem legte er Wert darauf, einen guten Rhetorik-Lehrer für seine Söhne zu bekommen. Hätte er Töchter gehabt, vielleicht hätte er auch noch Privatlehrer für sie engagiert - je nachdem.
Während der Vater sich mit der Arbeit beschäftigt, die Sklaven überwacht, Anweisungen für die Lagerung der Waren gibt und nach dem Rechten sieht - und dies vorwiegend im Schatten, denn schließlich ist die blasse Haut ein Zeichen des vornehmen Lebens, braune Haut steht Sklaven und Bauern zu - organisiert die Frau den Haushalt. Wobei: Wenn man Tätigkeiten delegieren kann - einkaufen zum Beispiel - dann tut das Frau von Welt auch. Stundenlang kann auch die Einwohnerin von Pergamon, sofern sie wohlhabend ist, es sich leisten stundenlang vor dem Spiegel zu sitzen und sich zu schminken. Dutzende von Salben, Tiegeln und Tuben kann man dabei verwenden, Perücken und gar falsche Zähne sind dabei gar nicht so selten. Und von der Frisurenvielfalt mal gar nicht zu reden... Wer angesagt und hipp sein möchte, hält sich an die Frisuren des Kaisers oder der Kaiserin - wer in Pergamon als besonders loyal gegenüber diesen wirken möchte, wird sich mit Sicherheit von seinen Freunden per Brief geschildert haben lassen, was die Kaiserin momentan trägt. Was heute Paris ist, ist damals halt Rom.
Kyriates reist ab
Kyriates hat seine Sachen zusammengepackt - es wird allmählich Zeit, Pergamon zu verlassen. Das Wort des Cicero: „Zweitens machen auch tüchtige und fleißige Menschen aus den übrigen Ständen zum Teil selbst in Asien Geschäfte, für die ihr in ihrer Abwesenheit sorgen müßt; ein Teil derer hat in dieser Provinz große Geldmengen angelegt“ hat sich auf jeden Fall für ihn bestätigt. Nun, ob das mit den großen Geldmengen so stimmt - aber tüchtig, ja, tüchtig sind die Pergamenser schon, das muss er ihnen zugestehen. Sein Blick schweift auf dem Fenster der Taverne zum Berg empor - gerne würde er den Trajantempel in Vollendung sehen, gerne auch nochmal die Stufen zum Großen Altar hinaufsteigen.
Immerhin hat er für Phineas einen der hübschen Becher eingekauft und hofft, dass dieser die Seereise zurück übersteht. Ebenfalls war da eine kleine Statue einer entzückenden Tänzerin, die er unbedingt für seine Villa haben musste. Glücklicherweise passte sie in die Reisetruhe. Das Einzige, was er jetzt noch organisieren muss, das ist ein Wagen, der die Kiste und ihn zum Hafen von Elaia bringt. Vorher wird er nochmal bei Neandros vorbeischauen - und dann mit einem letzten Blick auf Berg, Gebäude und die Stadt nach Hause fahren. Wobei: Er möchte gar nicht wissen, was in seiner Abwesenheit seine Söhne und der Verwalter alles angestellt haben - vermutlich darf er, Kyriates, mal wieder alles in Ordnung bringen was die angestellt haben...
---------------------------
Noch ein persönlicher Einwurf:
Lieber Christian,
ich möchte mich bei dir herzlich und bewundernd bedanken, dass du in so kuzer Zeit, so wenig Vorbereitung und mit so viel Begeisterung diese Beiträge geschrieben hast.
Es war nie vorgesehen, dass du dir die Mühe machst, oder machen kannst, so spontan einen fiktiven Zeitgenossen Pergamons im Jahre des Panoramabildes, dass ab Oktober 2011 die Ausstellung "PERGAMON-Panorama der antiken Metropole" begleiten wird, zu erschaffen.
Ich weiss, du bist nicht nur der beste Kulturblogger, den ich kenne, du verfügst auch über einen endlosen Schatz an Fantasie und mir ist es eine Ehre, dass du sie in dieses Projekt eingebracht hast. Sie war gleichsam der Spiegel unserer Expedition nach Pergamo und bildete eine wichtige Brücke zwischen damals und heute.
Ich hoffe, dass du Kyriates irgendwann und hoffentlich bald wieder auf Reise schickst. Oder können wir vielleicht mit einem Umzug rechnen? Ich würde mich mehr als freuen, den ich habe diesen wuseligen Kerl in der kurzen Zeit richtig lieb gewonnen.
An dich und an ihn die besten Grüße!
Frank Tentler
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Da ich es nicht schaffe, nur ansatzweise alles, was ich in Pergamon erlebe, in Text, Bild und Video einzufangen und wiederzugeben, hat sich zu meiner großen Freude Kulturblogger Christian Spließ bereit erklärt, sein Wissen und seine Begeisterung für diese Epoche mit eigenen Beiträgen einfliessen zu lassen. Sie sollen eine Ergänzung von Fakten und Zusammenhängen sein, um das lebendige Bild einer vergangenen Metropole bieten zu können.
Dafür meinen herzlichen Dank und den LeserInnen wünsche ich viel Vergnügen.
-------------------------
bisher stand ich dem Pergament ja eher skeptisch gegenüber, aber als ich heute einem Schreiber über die Schulter schaute - du weißt schon, einer von denjenigen, die von den Leuten in Anspruch genommen werden, die ein Ansinnen an die Obrigkeit haben oder Verträge aufsetzen wollen und nicht des Schreibens mächtig sind - bemerkte ich, dass man beim Pergament mit einem scharfen Messer viel leichter als beim Papyrus fehlgesetzte Buchstaben korrigiert werden können. Das Schaben ist einfach besser zu handhaben als beim Papyrus. Hier in Pergamon nutzt man dieses Material nur noch. Bis es bei uns soweit ist könnte es noch eine Zeit dauern, aber erinnerst du dich noch an die Zeit, als wir uns mit Wachstafeln herumschlagen mussten? Der Fortschritt, lieber Phineas, ist halt doch nicht aufzuhalten....“
Kyriates hält inne und blickt stirnrunzelnd auf die Öl-Lampe, die allmählich matter und matter wird. Normalerweise ist er es gewohnt, dass die Sklaven des Wirtshauses täglich die Lampen in den Gästezimmern nachfüllen, aber nun gut - dies ist hier nicht das erste Haus am Platz. Deswegen steht er jetzt auf und kramt nach dem Öl, das er heute in der Oberstadt gekauft hat. Der Brief soll seinen Freund ja schließlich noch vor seiner Abfahrt aus Pergamon erreichen - und einiges wird Kyriates seinem Freund auch nicht schriftlich schildern können, zu sehr hat ihn der Große Altar und der Trajantempel beeindruckt...
Es muss ein wahrhaftig epochales Erlebnis gewesen sein - der Große Altar auf einer Plattform stehend, umgeben von drei Seiten von einer Mauer, insgesamt rund 36,5 Meter breit und 34 Meter tief. Gigantisch. Die Freitreppe an der Westseite betrug 20 Meter in der Breite, der Gesamtbau selbst war 10 Meter hoch. Kyriates wird geradezu erschlagen gewesen sein von diesen Dimensionen. Der Altar ist Athena und Zeus geweiht - Athena Nikephoros genauer gesagt, der Siegbringenden. Während die Göttin der Liebe aus dem Meer entstiegen ist, wurde Athena auf etwas grausamere Weise geboren - ein Axthieb ließ sie aus dem Kopf des Vaters Zeus entspringen. (Allerdings hatte Zeus vorher ihre Mutter, Metis, verschlungen - geweissagt worden war ihm nämlich, dass Metis eine Tochter und einen Sohn gebären solle, die Tochter Zeus gleich, der Sohn sollte Zeus stürzen. Kopfschmerzen gingen dann der Geburt von Athena voraus...) Kyriates wird die Göttin als Minerva gekannt haben und als gelehrter Mann, der er ja ist, wird er auch sofort wissen, welche Quelle für den Fries Pate gestanden hat.
Kyriates zögert. Wie soll er nur den Eindruck beschreiben, den dieser gigantische Fries auf ihn gemacht hat? Diese Fülle. Diese Lebendigkeit, diese Ausdruckskraft! Das Ringen der Ordnung gegen das Chaos, der Kampf des zweiten Göttergeschlechtes gegen das Erste - viermal ist Kyriates den Geschichten auf dem Fries nachgegangen, hat sich in die Bilder versenkt und ist immer noch überwältigt. So etwas Prachtvolles! Nein, da fehlen ihm einfach die Worte für - er wird Phineas das alles erzählen, wenn er wieder zu Hause ist, das Pergament kann das einfach nicht tragen.
Historische Reliefs wie die Römer kannten die Griechen noch nicht. Sie schöpften ihre Darstellungen eher aus dem Bereich der Sagen und Mythen - und so griff man für die Fries auf die Sage des Kampfes des zweiten Göttergeschlechts gegen das erste zurück. Der Aufstand der Giganten gegen die Olympier. Chaos gegen Ordnung. Mit einem Wort: Propaganda für das Königsgeschlecht. Schließlich war der Held Herakles im Kampf gegen die Giganten von entscheidender Bedeutung - ohne die Hilfe eines Sterblichen hätten die Olympier um Zeus den Kampf nicht gewinnen können. Und bekanntermaßen wurde Telephos, der Sohn des Herakles, als Stadtgründer angesehen. Insofern war hier natürlich auch Politik mit im Spiel.
Eine Hauptquelle für den Fries scheint es nicht gegeben zu haben, aber Kyriates wird mit Sicherheit große Teile des Kampfesablauf aus dem Werk von Hesiods „Theogonie“ gekannt haben. Wobei auch Apollodoris und Homer die Geschichte vom Kampf des Guten gegen das Böse erzählt haben. Dabei kämpften die Hauptgötter im Osten - die Himmelsrichtung, bei der die Priester während des Opfers schauten. Dass die Götter innerhalb der einzelnen Gruppen nach den Verwandschaftsverhältnissen geordnet sind, konnte man als gebildeter Mensch durchaus schnell erkennen. Auf der Südseite kämpften die Götter des Tages und des Lichts: Helios, Eos - und Selene, die Mondgöttin. (Woran man merkt, dass die geplante Ordnung nicht immer so ganz durchgehalten wurde.) Nyx, Eris und die Moiren kämpften auf der Nordseite, der Schattenseite. Und da die Westseite dem Meer zugewandt war, sind hier natürlich Poseidon, Okeanos und Thetys zu finden.
Die Plastizität dieser Kämpfe ist bis heute ein Faszinosum. Teilweise scheinen die Gestalten komplett vom Hintergrund abgekoppelt zu sein, frei in der Luft zu stehen - kräftige Arme greifen nach den faltenreichen Gewändern, muskelbesetzte Körper ringen miteinander - ein Anblick, der damals Kyriates in der Tat überwältigt haben muss.
Hatte man den Fries beim Hinaufgehen passiert, wird der Blick des Gläubigen auf den Oberbau gefallen sein. Während des Bauens entschied man sich für ein umlaufendes Postament. Hier werden den Gläubigen Weihgeschenke begegnet sein - vielleicht die „Kleinen Attalidischen Weihgeschenke“ - möglich auch, dass die reizenden Figuren der Tänzerinnen auf dem Bathron gestanden haben. Auf der Innenseite der Hallenwand dann: Der Telephos-Fries. Mit Herakles, der auf dem Außenfries der Gigantomachie zu sehen ist - heute muss man ihn sich leider vorstellen, sein Platz ist bis auf eine kleine Ecke seines Fells leer - findet man ihn hier wieder: Auf eine Keule gestützt beobachtet er, wie sein Sohn von einer Hirschkuh gesäugt wurde. Allerdings ist dieser Fries nie ganz vollendet worden - man hatte es mit dem Schluss der Bauarbeiten wohl eilig, wie auch einiges andere am Altar zeigt. Dank einer architektonischen Planung konnte man von hier aus auch den Athena-Tempel weiter oben betrachten - beide Gebäude standen somit in Verbindung. Schließlich ist der Große Altar ja nicht nur Zeus, sondern auch Athena geweiht.
„Weit über allem thront seit einiger Zeit der Trajantempel, der jetzt aufgrund des baldigen Besuches des Kaisers Hadrian hastig fertiggestellt wird. Jedenfalls vergeht kein Tag, an dem man nicht den Baulärm hier in der Oberstadt vernehmen kann - die Einheimischen beten alle zu Zeus, dass der Tempel endlich, endlich fertig werden möge. Früher standen hier unbedeutende Palastgebäude, die man für den Tempel geschleift hat. Auch hier wieder hat man ein Gebäude auf zwei Ebenen - so ist die Nordhalle auf einer etwas höheren Terasse angelegt. Ein Meisterwerk unserer römischen Baukunst sind die Mauern Trajaneums - die Gußmauerntechnik kommt hier hervorragend zu Geltung, das muss ich schon eingestehen. Ich sollte vielleicht einige der Bauleute von hier für meine Villa mitnehmen - wie du weißt, ist diese immer noch nicht komplett fertig, unsere Handwerker zu Hause sind einfach Schafsköpfe wenn du mich fragst. Ich habe die Säulen am eigentlichen Tempel gezählt, da ich der Meinung bin, das müsste sich für meine Villa ganz gut machen: 6 sind es an den schmälernen Seiten, 10 an den längeren. Zugegeben - für meine Villa könnte ich mir den Marmor, der hier verbaut wurde, nicht leisten. Aber dieser Andesit-Stein aus der Umgebung wäre eine Alternative.
Da der Tempel allerdings noch nicht komplett fertig ist, kann ich dir keine vollständige Schilderung von ihm geben - ich bin mir aber sicher, dass er ebenso eindrucksvoll sein wird wie die Tempel, die ich in Ephesos und Smyrna gesehen habe...“
Dies kann man durchaus versichern - nicht nur, dass der Tempel fünf Meter große Statuen der Kaiser Trajan und Hadrian enthielt, die sich beide als Verkörperung des Gottes Zeus anbeten ließen. Auf den Giebeln waren geflügelte Frauenfiguren angebracht, die auf Weltkugeln standen, Medusenköpfe als Schmuck komplettierten das Aussehen. Kaiser Hadrian wird zufrieden gewesen sein - trotz der Tatsache, dass der Tempel an einigen Stellen bei seiner Ankunft immer noch nicht komplett fertig war. Was aber durch die Lage des Tempels - weithin sichtbar oben am Berg - wettgemacht wurde. Kyriates ist allerdings schon lange vor der Ankunft des Kaisers weiter auf seiner Reise und wird die erleichterten Stoßseufzer der Anwohner wohl nicht mehr mitbekommen haben. Wie es sich in einer solchen Metropole als Anwohner gelebt haben könnte? Die Frage wird zum Schluss der Reihe beantwortet...
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Da ich es nicht schaffe, nur ansatzweise alles, was ich in Pergamon erlebe, in Text, Bild und Video einzufangen und wiederzugeben, hat sich zu meiner großen Freude Kulturblogger Christian Spließ bereit erklärt, sein Wissen und seine Begeisterung für diese Epoche mit eigenen Beiträgen einfliessen zu lassen. Sie sollen eine Ergänzung von Fakten und Zusammenhängen sein, um das lebendige Bild einer vergangenen Metropole bieten zu können.
Dafür meinen herzlichen Dank und den LeserInnen wünsche ich viel Vergnügen.
-------------------------
Im Schatten des Burgtors fällt das Wache schieben leicht, denkt sich Kyriates, der an diesem Tag die Oberstadt erkunden will - dabei hat er heute kein allgemeines Ziel, sondern überlässt sich einfach den Göttern. Sein Quartier hat er dabei wohlweislich in der Oberstadt genommen, denn permament rauf- und runterwandern - das ist nun seine Sache nicht. Ein heutiger Besucher hätte Kyriates durchaus beigepflichtet - denn immer noch muss man per pedes den Weg nach oben zurücklegen und das kann bis zu 90 Minuten dauern. Zwar darf man davon ausgehen, dass im 2. Jahrhundert nach Christus auf der 4 - 5 Meter breiten, gepflasterten Hauptstraße durchaus reger Warenverkehr herrschte - die Stadt musste schließlich versorgt werden - aber ob die Händler immer so freundlich waren die Passanten mitzunehmen? Trotz des angebotenen Obolus?
Ärgerlich stampft ein Händler mit dem Fuß auf. „Diese verdammten Bauarbeiten,“ schimpft er und starrt dabei auf die Arbeiter, die gerade dabei sind einige der Andesit-Platten zu erneuern. Eine schwere, aufreibende Arbeit, um die Kyriates keinen beneidet. Während der Händler fluchend den Wagen zurücksetzt und einen Umweg in Kauf nehmen muss, können die Fußgänger sich noch gerade eben so an der Baustelle vorbeizwängen. Was der Händler wohl geladen haben mochte? Kyriates hat gar nicht nachgesehen. Vielleicht das hochgerühmte Tongeschirr, die Sigillata. Im 2. Jahrhundert nach Christus hat dieser Exportschlager zwar schon etwas von seiner Hochzeit hinter sich, die Gefäße sind nicht mehr so grazil sondern werden eher plumper, aber immer noch werden Tongeschirre aller Art aus Pergamon exportiert. Die Werkstätten hat man dabei wohlweislich wegen der Feuergefahr außerhalb der Stadt angesiedelt. Für eine leichtere Ware schien der Karren des Händler zu schwer zu bewegen zu sein - so kommen Holz oder das Pergament wohl eher nicht in Frage. Und lebendige Ware - Ziegen oder Hähne - war auch es auch nicht.
Kyriates glaubt sicherlich, wie viele andere Zeitgenossen auch, dass das Pergament tatsächlich in Pergamon erfunden wurde. Vermutlich gab es aber diese Neuerung schon vor der hellenistischen Zeit, wenngleich Pergamon für seine Herstellung berühmt wurde. Wir wissen heute allerdings nicht genau, wie man die Tierhäute so präparierte, dass sie zum Schreibmaterial wurden. Es gibt nur einen Hinweis darauf, dass das Pergament aus Pergamon auf der glatten Schreibseite gelblich war, während man in Rom auf weißes schrieb. Man hat wohl noch einige Verbesserungen vorgenommen, doch wie genau in Pergamon gearbeitet wurde - das ist eine Frage, die man heute (noch) nicht beantworten kann.
Kyriates ist beim Oberen Markt angelangt. Er fragt sich immer wieder, wie man in einer Stadt am Berge solche Gebäude erbauen kann (beim Oberen Markt hat man wie meistens in Pergamon bei Terassenanlagen üblich gebaut: talseitig wurden Stützgebäude errichtet und dahinter füllte man auf, hangseitig arbeitet man das aus, was man für den Bau brauchte). Dabei ist das östliche und das südliche Gebäude im 2. Jahrhundert vor Christus neu erbaut worden. Die neuen Hallen legen sich L-förmig vor die älteren Anlagen. Kyriates genießt besonders den Blick von der Terrasse der Südhalle. Im Untergeschoß der Halle befinden sich Läden, die teilweise als Büro, als Lagerräume oder als Geschäft gedient haben mögen - was Kyriateshier aber genau sieht, wissen wir nicht, es gibt leider keine Funde, die genaueres darüber sagen was sich in den Läden befand.
Einige Treppenstufen später ist Kyraites beim Athena-Tempel angelangt. Früher befand sich auf dem Rundpodest vor dem Tempel eine Statue der Göttin, allerdings hat man das dann gegen eine Statue des Kaisers Augustus ausgetauscht. Aus politischen Gründen, natürlich. Der Kaiser war hochselbst zu Pergamon zu Besuch und damals gab es gewisse Spannungen mit Athen - eine Statue der Göttin, die diese Stadt gegründet haben soll wäre da nicht so opportun gewesen. Kyriates wird ein Gebet an dieser Stelle gesprochen haben - für den Tempel und die darin befindliche Bibliothek hat er am heutigen Tag nicht die Zeit, wird dies aber sicherlich noch nachholen. Ebenfalls für später hat er sich den Blick auf den Großen Altar aufgehoben - ihn interessiert heute vielmehr das Theater, zu dem eine langgestreckte Theatergasse führt. Das typische für Pergamon, so stellt Kyriates fest, ist offensichtlich, dass man die Läden entweder unterhalb von Terrassen eingeplant hat - so wie bei der Südhalle des Oberen Marktes oder wie jetzt bei der Theaterterasse - oder dass sie sich komplett vor die Wohngebäude geschoben haben. Kyriates ist jedenfalls noch kein Wohngebäude begegnet, dass direkt von der Hauptstrasse her zugänglich gewesen wäre, man muss immer wieder Seitenstrassen oder Gassen betreten um diese zu sehen. Spricht das für Geschäftstüchtigkeit der Stadtbewohner, grübelt Kyriates, oder ist das einfach nur eine Folge von Stadterneuerungen und Umbauten? Er nimmt sich vor, jemanden zu fragen, der sich damit auskennt, vielleicht hat der Bibliothekar der Stadt da ja eine Antwort parat.
Das Theater der Oberstadt schmiegt sich an den steilen Westhang des Berges. Kyriates, der mit den ungewohnten rauen Winden ab und an zu kämpfen hat, genießt die Windstille. Wobei - er stutzt - irgendwie ist die Form des Theaters nicht so ganz, wie sie sein sollte - die Fächerform ist jedenfall unvollkommen. Und der unterste Rang ist auch nicht vollständig. Vermutlich ist dies auf das Gelände zurückzuführen, vermutet er, immerhin bewundernswert, dass die Erbauer es geschafft haben dem Berg solch ein Theater abzuringen. Momentan findet keine Vorstellung statt, ansonsten hätte sich Kyriates auch nicht auf den Platz des Nikodemus setzen können - die Sitzplätze aus dem eher weichen Andesit-Tuff tragen bei einigen Rängen die Namen der Besucher. Der Zugang zum Theater erfolgt von unten über die breite Theaterterasse, an derem Ende der Dionysos-Tempel steht. Kyriates schätzt, dass an die 10.000 Zuschauer hier Platz finden Anstelle einer permanenten Bühne entschied man sich in Pergamon für eine abmontierbare Holzbühne. Etwas Besonderes in der damaligen Zeit und eine organisatorische Mammutaufgabe, die man zu den Spielzeiten lösen musste.
Für heute hat Kyriates erstmal genug gesehen - morgen wird er sich das Anschauen, was ihm seit langem schon interessiert und dafür genügend Zeit mitbringen: Einmal den Trajantempel, zum anderen den Großen Altar. Einen Blick auf das Gebäude hat er heute schon mal aus der Ferne werfen können, besonders gespannt ist er auf die Darstellung des Kampfes der Olympier gegen die Giganten. Sie soll besonders beeindruckend sein.
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Da ich es nicht schaffe, nur ansatzweise alles, was ich in Pergamon erlebe, in Text, Bild und Video einzufangen und wiederzugeben, hat sich zu meiner großen Freude Kulturblogger Christian Spließ bereit erklärt, sein Wissen und seine Begeisterung für diese Epoche mit eigenen Beiträgen einfliessen zu lassen. Sie sollen eine Ergänzung von Fakten und Zusammenhängen sein, um das lebendige Bild einer vergangenen Metropole bieten zu können.
Dafür meinen herzlichen Dank und den LeserInnen wünsche ich viel Vergnügen.
-------------------------
Wer in der Gegenwart das Wort „Akropolis“ hört verbindet es unweigerlich mit einer Stadt: Athen. Im 2. Jahrhundert nach Christus wäre diese Verbindung nicht so fest in den Köpfen gewesen, obwohl das den Bewohnern von Pergamnon sicherlich entgegengekommen wäre: Als „Neues Athen“ bezeichnet zu werden, das wäre durchaus etwas gewesen. Vorerst begnügte man sich aber mit dem Titel „Neokoros“ - der zweifachen Tempelpflegerin. Das allerdings auch erst nachdem der Trajantempel fertiggestellt war. Immerhin: Den Konkurrenzstädten Smyrna und Ephesos kam man mit diesem Titel einige Jahre zuvor.
Dabei bezeichnet der Begriff „Akropolis“ eigentlich die auf dem höchstgelegenen Teil einer griechischen Stadt gelegenen Festung. Meistens in Form einer Zitadelle - diese gab es nun nicht unbedingt in jeder griechischen Metropole, doch eine Akropolis als Bestandteil der Stadt gibt es in der Antike immer. Egal ob die Stadt dabei in eher flachem Terrain liegt oder nicht, die Akropolis muss einfach sein. Dabei entwickelt sich die antike Stadt dann in der Regel um diesen festen Ortskern, um die Zitadelle, herum - dies wird sich später in der europäischen Geschichte bei den Burgen wiederholen.
Denkt ein Bewohner des antiken Pergamons nun tatsächlich beim Begriff Akropolis an ein reales Gebäude - wobei der Name der Stadt ja schon eine solche impliziert, „Pergamos“ oder „Pergamon“ bedeutet in einer vorgriechischen Sprache ja schließlich „Burg“ oder „Festung. Der Bewohner des 2. Jahrhunderts nach Christus wird eventuell allenfalls an die sagenhafte Festung des Thelephaos, des Stadtgründers, gedacht haben, die sich auf dem Berg befunden haben soll. Mit Sicherheit wird er auf den Königspalast verwiesen haben, der oben über der Stadt thronte. Hauptsächlich aber ist die „Akropolis“ für ihn nur der Begriff für die Oberstadt von Pergamon. Dort, wo der Kaiserpalast und Tempelkult zu finden sind, die Bibliothek und das Theater. Und der ganz in weißem Marmor gehaltene Trajanstempel. Dass die Stadt sich damit besonders schmückt, ist nur logisch - politisch spielt die früher freie Stadt gar keine Rolle mehr und um sich gegenüber den Konkurrenten zu behaupten ist auch in der damaligen Zeit schon mehr als alles Recht.
Dabei spielte die Akropolis in Pergamons Geschichte lange Zeit die Hauptrolle - denn die Besiedlung begann vom Gipfel des Berges und erst nach und nach erstreckte sich die Stadt dann weiter nach Süden. Eumenes II. erweiterte dann die Stadt im unteren Berghang. Dadurch gab es zwei Gebäude in der Stadt: Einen auf der Akropolis und den Unteren Markt. Zwar konnten damals Waren durchaus auf der Hauptstraße nach oben gebracht werden, andererseits - warum sich die Mühe machen, wenn es ein neues Zentrum gibt, das leichter erreichbar ist? Wahrscheinlich diente nach dem Bau des Unteren Marktes der Obere Markt eher Repräsentations- oder Verwaltungszwecken - es gibt Beispiele dafür aus anderen Städten. Wissenschaftlich gesichert ist dies allerdings nicht. Da sich aber das Verhalten der Menschen nicht grundlegend verändert hat, wird hier sicherlich Bequemlichkeit vor Lastenschubserei gegangen sein.
Unser Freund Kyriates ist allerdings erst morgen so richtig in der Lage, sich die Herrlichkeiten - und natürlich den Altar der Stadt - der Oberstadt anzusehen. Er mag sicherlich schon einen Abstecher ins Gymnasion gemacht haben. Nicht so sehr um sportlich zu ertüchtigen sondern eher um zu erfahren, was man in der Stadt denkt - und für den neusten Tagesklatsch ist auch er sich nicht zu fein. Und schließlich gibt es vielleicht den ein oder anderen Geheimtipp. Schließlich hat Kyriates ja noch genügend Zeit für eine ausführliche Besichtigung.
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Da ich es nicht schaffe, nur ansatzweise alles, was ich in Pergamon erlebe, in Text, Bild und Video einzufangen und wiederzugeben, hat sich zu meiner großen Freude Kulturblogger Christian Spließ bereit erklärt, sein Wissen und seine Begeisterung für diese Epoche mit eigenen Beiträgen einfliessen zu lassen. Sie sollen eine Ergänzung von Fakten und Zusammenhängen sein, um das lebendige Bild einer vergangenen Metropole bieten zu können.
Dafür meinen herzlichen Dank und den LeserInnen viel Vergnügen mit seinen Texten.
----------------------------------------
„Geliebter Phineas,
das Wichtigste zuerst: Unserem gemeinsamen Freund Neandros geht es gut und er lässt dich herzlich grüßen. Ich kann berichten, dass die Obhut der Asklepios-Priester ihm gut getan hat, der Heilschlaf hat seine Wirkung nicht verfehlt. Und aus diesen Zeilen kannst du ersehen, dass ich wohlbehalten angekommen bin. Wie schade, dass du, Phineas, zu Hause bleiben musstest - nun musst du halt meine Briefe und meine Lobgesänge über diese wunderbare Gegend ertragen. Und wunderbar ist diese Gegend tatsächlich. Vielleicht würdest du jetzt anmerken, dass du nichts Wunderbares an lauter Bergen und Geröll, bewachsen mit Buschwäldern, dornigen Halbsträuchern und Eichen finden würdest - aber doch, Phineas, lass dir gesagt sein: Diese Landschaft hat ihren eigenen Reiz. Bei meiner Wanderung durch das Kaikos-Tal, wenn die Sonne sich auf dem Wasser des Flusses spiegelt, wandte ich oft meine Augen hinauf zu den Bergen - ein andächtiges Gefühl war dann in meiner Brust und oftmals betete ich still zu Zeus, dem Göttervater.
Doch genug von meinen Schwärmereien - du kennst meine Vorliebe für die Natur ja nur zu gut - und zu meinen weiteren Plänen. Noch eine Nacht werde ich hier Neandros Gesellschaft leisten, dann jedoch drängt es mich hinauf zur Stadt, nach Pergamon. Viel habe ich schon über den Altar dort reden hören, jetzt muss ich ihn auch einmal sehen. Neandros berichtete zudem, dass der Tempel, der unter Kaiser Trajan begonnen wurde, sich der Vollendung naht. Diesen soll man jetzt schon von weitem sehen - eine Eigentümlichkeit der Stadt ist nämlich, dass diese sich terrassenförmig den Berg hinab erstreckt...“
Was Kyriatris, unser fiktiver Briefschreiber des 2. Jahrhunderts nach Christus hier wohl meint, ist die Tatsache, dass der Tempel, der unter dem römischen Kaiser Trajan begonnen und wohl unter seinem Nachfolger Hadrian vollendet werden wird, schon von weitem sichtbar ist. Vermutlich wird Kyriatris, dessen Sorge um die Gesundheit seines Freundes ihn zuerst in das Asklepios-Heiligtum weit draußen vor Pergamon führte, sich dort von den Strapazen der Reise ausgeruht haben. Es kann sein, dass unser Freund eine längere Bildungsreise eingeplant hatte und Milet, Ephesos und Smyrna besuchte um dann auf dem Kaikos hinauf nach Pergamon zu segeln. Das Anpreisen der Devotionalienhändler, die Abbilder von Händen, Fingern, Füßen oder anderen verwundeten Gliedmaßen anbieten, wird auf den übermüdeten Reisenden laut und aufdringlich gewirkt haben. Kranke, die auf Heilung hoffen, Gesunde, die mit ihren Votivtafeln die Segnungen des Asklepios - und dessen Priester - preisen - nein, nicht unbedingt das Richtige für eine Reise nach Pergamon, dem Sitz der Kultur.
Politisch hatte Pergamon zum Beginn des 2. Jahrhunderts schon längst keine Bedeutung mehr, war Teil der römischen Provinz Asia geworden. Das römische Weltreich erreichte im 2. Jahrhundert nach Christus seine größte Ausdehnung - vom Persischem Golf bis zum Atlantik, 100 Millionen Menschen Menschen wohnten, lebten und arbeiteten hier. Attalos III., der von 138 bis 133 v. Christus regierte, hatte in seinem Testament das Pergamonische Königreich den Römern vererbt. Die Übernahme war zwar mit einigen Reibungen vor sich gegangen, im Großen und Ganzen aber war Pergamon nur noch eine Metropolis unter vielen. Kulturell aber ist Pergamon im 2. Jahrhundert nach Christus alleine durch den Bau des Trajantempels, bei dessem Bau sich Kaiser Hadrian als Architekt wohl eingeschaltet haben mag, immer noch von Bedeutung. Kyriatris wird bei seinem Rundgang durch die Stadt den Eindruck einer wohlhabenden Metropole erlebt haben.
Hoffen wir, dass Kyriatris ein ausdauernder Mensch gewesen ist, aber selbst dann wird er des öfteren über die Lage der Stadt geflucht haben - die Hauptstraße, die sich mäandernd den Berg hinaufschraubt, die zahlreichen verwinkelten Gassen und Treppenstufen, ja, sogar zwei Märkte hatte Pergamon: einen Oberen und einen Unteren. Ab und an kommt es vor, dass in den engen Straßen keine zwei Esel mit Lasten auf den Rücken vorbeikommen - den Streit darüber, wer denn jetzt zurückweichen muss kann Kyriatris noch meterweit hören. Ächzend, stöhnend und schnaufend wird er sich am Stadtbrunnen erfrischt haben, ganz in der Nähe des Gymnasions.
Für die Stadtgeschichte an sich wird sich Kyriatris nicht interessiert haben. Ihm genügt es, dass es eine Oberstadt und eine Unterstadt gibt. Und dass der Weg verdammt weit ist bis nach oben. Immerhin: Die Mühe lohnt sich. Dort oben ist das kulturelle Zentrum - die Bibliothek, der Große Altar, das Trajaneum, das Theater, der Dionysos-Tempel. Die Herrscher von Pergamon sammelten übrigens Kunst wo sie nur konnten und einige von ihnen waren sogar als Autoren durchaus bekannt. Insofern war Pergamon politisch tatsächlich keine Größe mehr - aber für Kulturliebhaber war Pergamon das antike Mekka der Kunst. Kein Wunder daher, dass in dieser Stadt das Pergament erfunden wurde. Kyriatris geht hier das Herz auf: Nicht nur, dass der Fries des Großen Altars ein überwältigendes Kunstwerk ist, auf dem die Geschichte des Kampfes der Olympier gegen die Giganten erzählt wird - und bei dem Herakles eine große Rolle spielt, dessen Sohn Telephaos ja wiederum Pergamon gegründet haben soll - die Bibliothek allein enthält an die 200.000 Buchrollen und der im Bau befindliche Trajan-Tempel erst...
Die Mühe des Aufstiegs hat sich für Kyriatris gelohnt. An einem der zahlreichen Straßenläden kauft er Brot und Wein, wird sich in eine Exedra gesetzt haben, einen Raum mit Sitzbänken - und die Landschaft genossen haben. Es sei ihm gegönnt - wenngleich Kyriatris natürlich noch längst nicht alles gesehen hat, was die Stadt zu bieten hat. Aber das, das wird unser fiktiver Freund bestimmt auch noch in den nächsten Tagen nachgeholt haben. Auf seinem Programm steht als nächstes jedenfalls die Akropolis der Stadt.
Von Christian Spließ
Posts
Posts
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Es war für mich ein einmaliges Erlebnis: Um 5.45 Uhr am 09.04.2011 brachen Yadegar Asisi, Mathias Thiel (Art Director Asisi Visual Culture) und ich auf, um noch vor Sonnenaufgang auf der höchsten Stelle des Berges zu sein, auf dem die antike Metropole Pergamon errichtet wurde. Dabei ging es um aussergewöhnliche Videoaufnahmen, die nicht nur Zeitraffer, sondern...aber mehr wird nicht verraten. Die Ergebnisse sind für Ausstellung und Panoramabild "PERGAMON- Die antike Metropole" bestimmt. Ich habe einige Videos bereits gesehen und was Asisi Visual Culture da produziert, ist atemberaubend schön. Mathias Thiel hat mir zugesagt dass ich einen Teaser demnächst veröffentlichen darf.
Ich selbst habe mit meiner kleinen Leica und ohne Stativ eine Reihe von Fotos vom immer gleichen Blickwinkel aus gemacht. Eigentlich wollte ich sie als Dia-Show zeigen (was nicht ansatzweise etwas von diesem Erlebnis wiedergegeben hätte), aber dann hatte ich eine Idee:
Ich baute alle Fotos als Präsentation via Keynote zusammen und exportierte das Ergebnis als Video mit jeweils 1-sekündiger Foliendarstellung.
Heraus kam dieses Video und ich hoffe (auch wenn es Lichtjahre von den Ergebnissen entfernt ist, die ich hoffentlich bald zeigen darf), dass es einen kleinen Eindruck vermittelt, welche Schönheiten ich in den letzten 5 Tagen erleben durfte.
Für die simple Wahl der Darstellung bitte ich um Verzeihung, aber meine Zeiten als Medienproduzent sind auch schon ein paar Jahre her. Heute nutze ich lieber Spezialisten, die für mich produzieren. Daher bin ich in diesem Bereich Hard- und Software-mässig natürlich nicht mehr auf dem neuesten Stand. Weiter unten sind auch noch meine eigenen Fotos des Morgens zu finden.Übrigens: Das "Gespenst", das immer mal wieder in der Zeitraffer auftaucht, ist Yadegar Asisi, der den ganzen Morgen unterwegs war, um immer wieder neue Lichtverhältnisse für das riesige Panoramabild und seine hunderten von verschiedenen Geschichten einzufangen.
Zeitraffer: Sonnenaufgang am Trajaneum, Pergamon from frank_tentler on Vimeo.
Meine Fotos des Morgens:
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Hinweis: Für den Namen dieses Ortes gibt es unterschiedliche Schreibweisen. Neben dem hier verwendeten "Asklepion" wird auch "Asklepieion" verwendete. Ich habe mich persönlich für den ersteren Namen entschieden, weil 1. die Bewohner des heutigen Bergama diesen auf Schildern und Tickets verwenden und 2. Google dazu eine eindeutige Meinung hat ( 201.000 zu 91.600 Ergebnisse). Alle, die lieber "Asklepieion" nutzen, liegen sicher nicht falsch und können das so auch ohne Bedenken in ihrem eigenen Beiträgen schreiben.
-----------------------------------
Wenn man denkt, nichts kann einem in dieser magischen antiken Metropole noch erstaunen, folgt die Richtigstellung schon an der nächsten Ecke.
Heute haben wir zusammen mit dem GEO-Team auf dem Gelände des Asklepion Pergamon gearbeitet. Dies ist - profan gesagt - eine Art Spa der Antike. Aber mit allen Schickanen! Ein Teil des Heilungsprozesses ist es, das man durch einen unirdischen Tunnel geht. Von plätscherndem Wasser begleitet verlässt man sein Leben, seine Sorgen und die irdische Existenz, um in einem angrenzenden Raum während des Schlafes durch den Gott Asklepios im Traum seine Krankheit und ihre Heilung zu erfahren.
Wer jetzt die Nase rümpft oder gar lacht sollte sich 2 Dinge vor Augen halten:
1. Unsere heutige Medizin gibt es in dieser Form seit gut 100 Jahren. Ich bin dankbar für ihre Möglichkeiten, aber den Kern der Krankheit trifft sie kaum, sondern kuriert die Symptome. Wenn man jetzt bedenkt, dass diese Medizin seit dem 7. vorchristlichen Jahrhundert und bis mindestens 300 n. C. praktiziert wurde, werden sie das nicht ohne Erfolge geschafft haben. Zumal Ärzte damals nur bei Erfolg und nach ermessen bezahlt wurden.
2. Ich war in diesem Tunnel. Nicht einmal...5 mal habe ich ihn durchschritten. Wasserklang, Schritte, überhaupt die ganze Akkustik und Aufmachung sind perfekt aufeinander abgestimmt. Ein Ort, in dem man seine Sorgen abfliessen lassen kann.
Und der einzige Ort in ganz Pergamon, der heute noch so klingt wie vor 2000 Jahren!Leider habe ich keine SteadyCam, die mir ein wackelfreies Video garantiert. Ich hoffe aber, das ein kleiner Eindruck von dem bleibt, was ich gespürt habe.
Tipp: Man sollte sich auf das Licht am Ende des Tunnels konzentrieren, das Plätschern des Wassers wahrnehmen und hinterher ein Glas Wasser trinken.
Asklepion- Der Tunnel der Heilung from frank_tentler on Vimeo.
Ich habe für mein eigenes Transmedia-Projekt für Asisi Visual Culture dort auch selbst Fotos gemacht:
Hinweis: Da die Post leider nicht rechtzeitig die mir von Sony freundlicherweise zur Verfügung gestellte Bloggie-Cam brachte, habe ich meine kleine Leica für die Videoaufnahmen genutzt. Sie macht schöne Bilder, aber der Ton ist nicht so gut. Das bitte ich zu entschuldigen.Dennoch war es mir wichtig, dass ich ein paar Videos aufnehme, die einen Eindruck von dieser Expedtion geben sollen.
Auch wenn es bitterkalt war. So kalt, dass mein Mund sich wie eingefroren anfühlte. Dennoch hoffe ich, dass der besondere iPad-Einsatz von Yadegar Asisi verständlich wird. Bilder, die er so erschaffen hat, folgen.
Dokumentation Pergamon Expedition: bit.ly/avc-pe
Pergamon | Episode ll | "Herr Asisi, warum nutzen Sie ein iPad?" from frank_tentler on Vimeo.
[ Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon ]
Da die Post leider nicht rechtzeitig die mir von Sony zur Verfügung gestellte Bloggie-Cam bringen konnte (DANKE! an Sony und ich werde sie sicher anderswo ausgiebig testen), habe ich meine kleine Leica für die Videoaufnahmen genutzt. Sie macht schöne Bilder, aber der Ton ist nicht so gut. Das bitte ich zu entschuldigen.
Dennoch war es mir wichtig, dass ich ein paar Videos aufnehme, die einen Eindruck von dieser Expedtion geben sollen. Den Anfang macht Architekt und Künstler Yadegar Asisi. Er führt Fakten, Forschung und künstlerische Umsetzung in einer Person zusammen. Daher ist es spannend, ihm zu zuhören, wenn er über seine Seh-Welt erählt.
Bitte auf das Funkeln in den Augen achten!
Dokumentation Pergamon Expedition: bit.ly/avc-pe
Pergamon Expedition | Eins | "Herr Asisi, was sehen Sie?" from frank_tentler on Vimeo.
TWITTER | FACEBOOK
- Sind Sie bei Twitter und möchten sich persönlich mit Fragen oder Wissen in die Expedition einbringen, würden wir uns freuen, wenn Sie @Asisi und @frank_tentler folgen.
- Unter den Hashtags #pergamon finden Sie aktuelle Tweets zu diesem Thema.
Informationen und Diskussionen zu dieser Expedition finden Sie auch auf Facebook.
- "asisi" berichtet regelmässig über die Entwicklung des Pergamon-Projekts.
- Live-Berichte finden Sie unter dem Account "Frank Tentler".
AUSSTELLUNG | PANORAMA
Wie lebten sie?
Das sind einige der Fragen, die beantwortet werden.